Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 4. (1951)
GOLDINGER, Walter: Archivwissenschaftliche Literatur der Jahre 1948–1951
298 Literaturberichte gut miteinander in Einklang zu bringen verstanden, wie dies Fürst Kaunitz schon bald nach der Gründung des Haus-, Hof- und Staatsarchivs getan hat1). Nicht überall hat man auch die Bedeutung der Archive für eine offizielle Geschichtsschreibung so eingeschätzt, wie es die lange Reihe der aus dem Wiener Kriegsarchiv hervorgegangenen historiographischen Arbeiten erweist2). Doch tragen die Archive ein Janusgesicht. Sie sind wissenschaftliche Anstalten, haben aber auch die Bestimmung, der Verwaltung zu dienen. Diese Seite ihres Aufgabenkreises kommt in der von Meister entworfenen Systematik der Organisationsformen der wissenschaftlichen Anstalten zu wenig zur Geltung, so dankenswert auch seine historische Beleuchtung der engen Beziehungen der Akademie der Wissenschaften zum Haus-, Hof- und Staatsarchiv, besonders des Anteils des Archivs an der österreichischen Geschichtsforschung innerhalb der Akademie zu begrüßen ist 3). Die Wissenschaft setzt aber auch Personen voraus, die als ihre Träger voranschreiten. Meist sind es bestimmte Lebensabschnitte, die dazu Anlaß geben, solche Männer in der Öffentlichkeit besonders herauszustellen. Dies ist dem Altmeister der österreichischen Archivare, Ignaz Zibermayr, widerfahren 4). Aus ähnlichem Anlaß ist eine Würdigung des verdienten Vorarlberger Kirchenarchivars Ulmer erschienen5). Mehrere Autobiographien der älteren Generation österreichischer Archivare enthält das Werk „Österreichische Geschichtswissenschaft der Gegenwart in Selbstdarstellungen“ 6). Meist ist es aber der unerbittliche Tod, der den überlebenden Freunden und Kollegen die Feder zu Nekrologen in die Hand drückt. So müssen hier die Nachrufe für Oswald Redlich7), Max Vancsa8), Franz Martin9), Josef Kraft10), Carl Äusserer11) und x) Pillich W., Staatskanzler Kaunitz und die Archivforschung (1762—1794). Festschrift, a. a. O., 95—118. 2) Regele O., Die Geschichtsschreibung im Wiener Kriegsarchiv von Kaiser Joseph II. (1779) bis zum Ende des ersten Weltkrieges. Ebendort, 732—743. 3) Das Haus-, Hof- und Staatsarchiv und die Akademie der Wissenschaften. Sitzungsber. d. Österreichischen Akademie d. Wissenschaften, phil.-hist. Kl., 226 (1949), 3. Abh., 1—82. 4) Dr. Ignaz Zibermayr, Oberösterreichische Heimatblätter, 1 (1948), 124—141. Enthält: Kriechbaum, Persönlichkeit und Lebenswerk, 124—129; Bauer Wilhelm, Der Forscher, 129—133; Goldinger, Ignaz Zibermayr und das österreichische Archivwesen, 133—140; Schriftenverzeichnis, 140—141. 5) Tiefenthaler M., Kirchenarchivar Dr. Andreas Ulmer. Montfort, 1949, 230—243. 6) Hrsg, von Grass N.: 1 (1950) enthält R. Heuberger, 17—24; F. Martin, 63—76; O. Stolz, 89—118; H. Wopfner, 197—201. Band 2 (1951) enthält L. Santifaller, 103—208; I. Zibermayr, 243—262. 7) Santifaller L., Oswald Redlich. Ein Nachruf, zugleich ein Beitrag zur Geschichte der Geschichtswissenschaft (1948), 245 S. Auch in Mitt. d. Inst. f. österreichische Geschichtsforschung, 56. Srbik H. v., Historische Zeitschrift, 169 (1949), 448—450. 8) Lechner K., Max Vancsa f. Jahrbuch d. Vereins f. Landesk. v. Niederösterreich, NF. 29 (1948), 1—14. 9) Mayr J. K., Franz Martin f. Mitt. d. Gesellschaft f. Salzburger Landeskunde, 91 (1951), 188—206. 10) Lechner K., Josef Kraft. Unsere Heimat, 18 (1947), 97—102. u) Santifaller L. in Mitt. d. Inst. f. österreichische Geschichtsforschung, 59 (1951), 240—243.