Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 4. (1951)
GOLDINGER, Walter: Archivwissenschaftliche Literatur der Jahre 1948–1951
296 Literaturberichte Dank dem großen Interesse, das die Länder nunmehr dem Archivalienschutz entgegenbringen, konnten in den letzten Jahren recht schöne Erfolge erzielt werden. Trotzdem gibt es da noch vieles zu tun und manches zu wünschen. Straßmayr1) und Wießner2) wußten dazu am ersten österreichischen Archivtag und in weiteren Veröffentlichungen Wertvolles zu sagen. Doch will es scheinen, daß sich der Hauptakzent für absehbare Zeit auf die Pflege des staatlichen und öffentlich-rechtlichen Schriftgutes verschieben müßte. Die Vorträge von Porstreiter3) und Geyer4) gipfeln in Forderungen, deren Erfüllung erst die Zukunft bringen kann. Ob die angeschnittenen Probleme durch Schaffung eines eigenen österreichischen Archivgesetzes gefördert und gelöst werden können, bleibt sehr zu überlegen. Jedenfalls wurde dieser Gedanke beim Archivtag mit in die Debatte geworfen5). Man darf die Pflege der Privatarchive, auch wenn es sich um Sonderbildungen, wie etwa das Weinarchiv in Krems, handelt 6), oder wenn überhaupt nur mehr Splitter vorhanden sind 7), nicht vernachlässigen, wird aber doch in Zukunft mehr als bisher das behördliche Schriftgut schon im Zeitpunkt der Entstehung durch den Archivar im Auge behalten müssen 8). In beiden Fällen, bei privaten und öffentlichen Archiven, tut Inventarisierung not. Darum greift man gern zu den Salzburger Archivberichten, die Franz Martin bearbeitet hat9). Sie umfassen den Lungau, vom selben Verfasser stammt eine Nachricht über eine künstliche Bildung, die „Urkundensammlung in der Freyburg zu Salzburg“ 10). Die darin enthaltenen Stücke von 1298 bis 1751 werden in Regestenform verzeichnet. Auf knappem Raum, aber doch erschöpfend, gibt Tr inks eine Übersicht über die Bestände des oberösterreichischen Landesarchivsn) und zeigt damit, wie man das Problem der Veröffentlichung von Archivinventaren in sachgemäßer, auch *) Der Schutz von Schloßarchiven in Oberösterreich. Mitt. d. Österreichischen Staatsarchivs, 2, 89—91; Derselbe, Das Schloßarchiv Weinberg (Oberösterreich). Pestsehr. z. Feier d. 200 jährigen Bestandes d. Haus-, Hof- u. Staatsarchivs, 1, 139—150. 2) Über Behinderungen der Archivarbeit. Mitt. d. Österr. Staatsarchivs, 2, 84—89; Derselbe, Das Graf Dietrichsteinsche Fideikommißarchiv. Festschr. a. a. O., 180—191. 3) Die Inventarisierung staatlicher Archivbestände in Nieder Österreich. Mitt. d. Österreichischen Staatsarchivs, 2, 94—112. 4) Die Ablieferung der Gerichtsarchivalien an die Landesarchive. Ebendort, 112—117. 5) Ebendort, 83—84. 6) Plöckinger H., Das Weinarchiv der Stadt Krems an der Donau. Unsere Heimat, NF. 21 (1950), 158—160. 7) Neugebauer H., Rette, was zu retten ist. Tiroler Heimatblätter, 25 (1950), 156—157. 8) Rauch K., Oberösterreichische Amtsregistraturen. Mitt. d. Ober- österreichisches Landesarchivs, 1 (1950), 193—212. 9) Salzburger Archivberichte, 2. Band: Die politischen Bezirke Tamsweg, St. Johann i. Pg., Zell am See. Beihefte 1—3 d. Mitt. d. Gesellschaft f. Salzburger Landeskunde (1948). 10) Die Urkundensammlung in der Freyburg zu Salzburg. Festschr. a. a. O., 458—470. u) Die Bestände des oberösterreichischen Landesarchivs. Mitt. d. oberösterr. Landesarchivs, 1, 7—105.