Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 3. (1950) – Leo Santifaller Festschrift
CORETH, Anna: Dynastisch-politische Ideen Kaiser Maximilians I.
Dynastisch-politische Ideen Kaiser Maximilians I. 85 Nach der fürstlichen Chronik ') Mennels und der dazugehörigen Bilderhandschrift Der Zaiger 2) hatte das Geschlecht seine erste große königliche Zeit als Merovinger, als „trojanische Franken“, gipfelnd im heiligen Helden und königlichen Ahnen Klodwig. Nicht aber stammen nach ihm die Habsburger von den Karolingern ab, ja das Verzichten auf eine Abstammung von Karl dem Großen, dem Urbilde des christlichen Kaisers, an dessen Namen sich immer wieder Reform und Siegeshoffnungen hängten, erscheint noch unerklärlicher als das Ausweichen vor einer römischen Stammsage, zumal sich damals ein Jakob Wimpfeling gar nicht scheute, Maximilian als Nachkommen Karls zu preisen 3). Mag sein, daß beim Kaiser die Scheu mitspielte, bei den Franzosen Anstoß zu erregen, wie ja auch nach ihm mehrmals heftiger Streit darüber ausbrach. Deutsche Prophezeiungen hatten aus demselben Grunde nicht selten Karls Namen vermieden, der mit der französischen Überheferung untrennbar verbunden war, und hatten statt dessen Friedrich II. zum Zukunftskaiser erhoben4). Und Maximilian konnte Dinge vermeiden, die ihm nicht paßten, Größen totschweigen, die er überstrahlen wollte, so daß fast nie die Ottonen und Staufer und ebensowenig die Kurfürsten in den von ihm inspirierten Kunstwerken Vorkommen. Er baute sich eben ein Reich eigener Phantasie. Mit um so größerem Nachdrucke wird aber festgestellt: die Habsburger seien mit den Karolingern mit sippischer fruntschaft verwandt und ains geschlechts gewesen, nicht ohne wie von ungefähr eine spitzige Bemerkung einzustreuen, daß nach den ledsten kunig von frankreich diser lynien dasselbig kunigreich von rechtswegen an die von Habspurg gewachsen ist, angesehen das die Karolingi und Habspurger . . . ains geschlechts sind 6). Dieser hier angedeutete Rechtsanspruch des Hauses Österreich auf den französischen Königsthron wurde von Wimpfeling noch viel deutlicher vorgetragen, mit der Anschuldigung, die Kapetinger seien Usurpatoren, die den Deutschen die französische Krone entrissen hätten, da doch die Karolinger Deutsche gewesen seien, deren Blut B Fürstlich Cronickh kayser Maximilians geburtspiegel, Cod. Vind. Palat. 3172 x, 3073—3076. 2) Cod. 7892, eigentlich: Kaiser Maximilians besonder Huch genannt der Zaiger. 3) ... ex ea Domo ac familia genitus ... de qua Caroli Magni stirps propagata fuit. Epitoma, bei Schardius, Historiarum opus I, p. 355. 4) Vgl. Kampers, Kaiserprophetien und Kaisersagen im Mittelalter (München 1895), S. 160. 6) Cod. Vind. Palat., 3074.