Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 3. (1950) – Leo Santifaller Festschrift

BLAAS, Richard: Ein Tiroler Teilbuch aus dem Jahre 1340

76 Richard Blaas daz in Passeir von geschaeft der herschaft von Tirol etliche chomen ze tailn aigen leute, do wart da vor den selben tailern gemeldet der vorgenant chauf, daz den der graf M. also getan het von dem Muntelbaner vnd da swürn do vmb vor den selben tailern gen den heiligen Hainreich der Maeusl, der manik iar hertzog Meinharts chamerchneht gewesen waz, vnd Eberhard der iunkherre von Chalb, daz si ez war westen vnd gesehen vnd gehört heten vnd dez sah si do swern der vorgenannt Ger olt ab Ekke vnd Praune ob der chirchen, die do da pei warn. Vnd von den wegen dauht herrn Heinreich von Anneberch vnd den Schenken, die tailer meins herren von Tirol, herr Greif hiet an den leuten niht als er jah die sein vater chauft het von dem Muntelbaner, er praeht ez den auz vor meins herren von Tirol. Vnd sint die vorgenannt prüder Ch. vnd Vlreich, als sih diu gewizzen versah, auch der selben leute. Nicht alle Einträge des Teilbuches zeigen diesen formalen Protokoll­charakter, wie ein Blick in die Edition Santifallers im Archivio Veneto- Tridentino lehrt, sondern bringen in einfacher Aneinanderreihung die einzelnen Teilungsergebnisse ohne jeden Anklang an eine stattgehabte Verhandlung. Das erklärt sich einerseits damit, daß es sich hiebei meist um Fälle handelt, die keiner formalen Entscheidung bedurften, weil das TeilungsVerhältnis klar zutage trat, anderseits wird man annehmen müssen, daß sich die Verhandlungen nicht nur auf den einen protokollierten Eintrag beziehen, sondern auch die restlichen mit dem betreffenden Adelsgeschlecht vorgenommenen Teilungen darunter zu subsumieren sind, wie gelegentliche Wendungen actum die, loco et testibus praenotatis nahelegen. Das Teilbuch wahrt somit durchgehend den Charakter eines Teilungsprotokolls. Die Verhandlungen der Teilungskommission begannen im De­zember 1339 und wurden den ganzen Winter über fortgeführt bis in das Frühjahr 1340 hinein. Der Hauptverhandlungsort war Meran und die meisten Verhandlungen wurden in der Casana Merani, im Leihhaus 1), durchgeführt. Daneben tritt als Verhandlungsort noch Mais bei Meran öfters hervor und dann im Frühjahr 1340 Tschars und Latsch im Untervintschgau. Eine Übersicht über Zeit und Ort der Verhandlungen ergibt folgende Aufteilung: Beginn der Tätigkeit der Kommission im Dezember 1339 in Mais in dez Widers haus 2) 1) Über das Wesen dieser Pfandleihanstalten und ihre Gründung vgl. Vol- telini Hans v., Die ältesten Pfand leihbanken und Lombardenprivilegien Tirols in Beiträge zur Reehtsgeschichte Tirols, Innsbruck 1904. Über die Casana in Meran, siehe ebenda, S. 28. 2) Cod. 397, Fol. 8r, 14', 14', lör u. a.

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