Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 3. (1950) – Leo Santifaller Festschrift

KOTZ, Wolfgang: Neues vom „Königsleutnant“. Ein nachträglicher Beitrag zum Goethe-Jahr

148 Wolfgang Kotz Truppen zum Polizeiwesen in Frankfurt bestimmt worden sei, seit diesem Zeitpunkte in den fast täglichen zum öftern schweren und verdrießlichen Vorfallenheiten dergestalt geneigt und willfährig gegen die Stadt und sämtliche Einwohner gezeigt habe, daß durch seine Interposition, Verwendungen und Vorsprache, sowie besonders durch Handhabung guter Ordnung und Bewahrung rühmlicher Mannszucht durch die zahlreiche Garnison dem gemeinen Stadtwesen manche Konsolation und Erleichterung zuteil geworden sei. Da sich der Ruhm seiner vortrefflichen Eigenschaften und guten Gesinnungen überallhin verbreitet habe, sei nicht zu zweifeln, daß er auch an das Hof lager der kaiserlichen Majestät gekommen sei. Die Gesuchsteller hätten bei einem so gütigen und freundschaftlichen Betragen, wodurch sich der Königsleutnant um das gemeine Stadtwesen sehr verdient gemacht habe, die größte Obligation, sowie bei dessen uneigennützigem und völlig uninteressiertem Gemüt alle Gelegenheit, ihm den Dank bezeigen zu können, und, da eine so edle Denkungsart fast durch nichts anders als durch hohe Ehren und Würden gerührt und angeregt werden könne, so wünschen sie nichts Sehnlicheres, als daß der Kaiser als allerhöchste Gnade seine Verdienste durch Erhöhung in den erblichen Reichsgrafenstand belohnen wolle. In den vorangeführten Einbegleitungsschreiben an Colloredo weist Per gen darauf hin, daß er das ihm durch einen eigenen städtischen Deputierten zur Weiterleitung übergebene Majestätsgesuch nicht habe zurückweisen wollen, um dem Königsleutnant, der trotz der kaiserlichen Ungnade gegen die Stadt Frankfurt inständigst-um dessen Annahme gebeten hatte, nicht vor den Kopf zu stoßen; eine Ver­weigerung der Übernahme würde nur der Stadt einen Gefallen und dem Königsleutant einen „Undienst“ tun, da sich die Stadt Frankfurt ihm gegenüber zur Entrichtung der allfälligen Taxen anheischig gemacht habe. Eine Erinnerung habe jedoch der Königsleutnant nur zu dem Gesuch gemacht, nämlich daß die Stadt die erbetene Gnade bloß für seine ehelichen Leibeserben verlangt habe, während er, da er sich nicht zu vermählen gedenke, diese Ehre nach seinem Tode in der Person seines Bruders Albert de Theas de Caille zu verewigen wünsche. Das Schreiben schließt mit dem Ersuchen, eine solche Antwort zu erteilen, daß er davon dem Königsleutnant gegen­über Gebrauch machen könne, weil er darauf gefaßt sei, daß der Königsleutnant unaussetzlich bei ihm um diese Äußerung anstehen werde. Dieses Schreiben wurde mit zweiSchreiben Colloredo’s an Pergen vom 28. Februar 1761 beantwortet, das eine in deutscher und das

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