Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 3. (1950) – Leo Santifaller Festschrift

GRILL, Heinz: Die ältesten „Turcica“ des Haus-, Hof- und Staatsarchivs

130 Heinz Grill sie (Nr. 1, 7) Streiflichter auf die schwankenden, Krisen auslösenden Zustände in den später so genannten Donaufürstentümern und ihren Nachbargebieten. Kurze Erwähnungen in verschiedenartigsten Ur­kunden (Nr. 2—6, 8, 9, 12—14, 16, 17) bezeugen die andauernde Unruhe, in die das Reich und sein Beherrscher durch die neu auf­blühende Macht der „Ungläubigen“ versetzt waren und innerhalb derer der Waffenstillstand von 1429 (Nr. 10, 11) nur eine kurze Episode darstellt. Eine kleine Rückschau auf die bisherigen Türkenzüge Sigmunds gewährt das Grafendiplom für Kaspar Schlick (Nr. 15). Nachdem Albrechts II. Lebens- und Regierungszeit eben infolge des Kampfes gegen den Feind im Südosten ein frühes Ende gefunden hat (vgl. Nr. 16), macht sich der junge jagellonische Herrscher, der Ungarn mit Polen vereint, zum Vorkämpfer der Christenheit. Trügerische Siegesgewißheit und eine seltsame Verblendung sogar des sachkundigen Hunyády János, wie sie uns nach dem Vorspiel von Nr. 17 in dem ersten größeren zusammengehörigen Komplex 18—25 in der Hoffnung auf eine gänzliche Vertreibung des Osmanentums vom Kontinent wieder­holt entgegentreten, führen statt dessen zu der Katastrophe von Varna und zu einem zehnjährigen Schweigen der Dokumente, nach welcher Zeit dann das 26. in der ohnmächtigen Beschwörung des beschaulichen Kaisers an den energiegeladenen Sultan um Verschonung der oströmischen Hauptstadt einen ungemein bezeichnenden Abschluß bildet. Die Urkunden und Briefe sind zum großen Teil bereits durch den Druck veröffentlicht, fast alle haben sie in die erwähnten Regesten­werke Aufnahme gefunden, wie den bezüglichen Hinweisen am Schluß der einzelnen Nummern zu entnehmen ist. 1. Reichsregister, Bd. E, fol. 21v—23v. 1412 März 15, Lublau. König Sigmund schließt mit König Wladyslaw II. von Polen und Großherzog Alexander-Witold von Litauen Frieden. Unter anderm erkennt Sigmund die Lehenshuldigung des Woiwoden der Moldau, Alexandru, an Polen an; doch soll der Woiwode ihm im Fall eines türkischen Einfalls in Ungarn Heeresfolge gegen die Türken leisten, bei Strafe der Teilung seines Landes zwischen Ungarn und Polen. „Ex quo enim magnificus Allexander, pronunc wayuoda Molduanus, ad beneplacita et mandata ipsius domini Wladislai regis, fratris nostri, se dinoscitur

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