Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 3. (1950) – Leo Santifaller Festschrift
CORETH, Anna: Dynastisch-politische Ideen Kaiser Maximilians I.
Dynastisch-politische Ideen Kaiser Maximilians I. 105 Wir haben also fünf, bzw. sechs Länderkomplexe gebildet aus den wichtigsten Herrschaften des Kaisers, die als Königreiche zusammengefaßt sind, daneben zwei (in den Miniaturen), bzw. drei (an der Ehrenpforte), die als Herzogtümer (Erzherzogtum, Erzpfalz) in ihrer hohen Stellung belassen sind. Nun stellt sich die Frage: wieweit kommt den Wappendarstellungen eine reale historisch-politische Bedeutung zu. Wir konnten feststellen, daß die Wappen, wenn auch manchmal ungebräuchlich, so doch keineswegs Phantasiewappen sind, sondern wirkliche Länderwappen; ferner haben wir den Zusammenhang mit den Königsprojekten für Österreich-Burgund erkannt. Sollte nun die Mehrzahl der Königreiche auf eine Erweiterung dieses Projektes schließen lassen ? Ich glaube nicht: fanden sich doch nach dem Infentarizedell Dietrichsteiner von 1520 in einer schwarzen Truhe die Wappen zu dem neuen kunigreich, so kaiserl. maj. aus iren erblanden machen soll '). An eine Schaffung von sechs Königreichen war kaum zu denken und die Zahl ist wohl als thriumphale Steigerung im oben besprochenen Sinne zu deuten. Eines aber kann behauptet werden: Seit 1510, da zum ersten Mal vom Königreich Österreich-Burgund die Rede ist, sind in den künstlerischen Darstellungen immer die Erblande samt den burgundischen in das Königsprojekt eingeschlossen, entgegen dem letzten, urkundlich festgelegten Projekt eines Königreiches, das die österreichischen Erblande, das „Erzherzogtum“, umfaßte und aus dem damaligen Bestreben des Kaisers, eine Länderteilung zwischen seinen beiden Enkels durchzusetzen, hervorging 2). Nach Maximilians Tode tauchte dieser Gedanke nochmals bei den Verhandlungen zwischen Karl V. und den Ungarn im Jahre 1520 auf, jedoch ohne durchgesetzt werden zu können: denn derjenige wollte von einer neugeschaffenen Königskrone nichts wissen, für den die Pläne ausgedacht worden waren, Ferdinand selbst, der statt eines schönen Titels den Länderanteil forderte, der ihm gebührte 3). x) Und auch die Französisch Schrift, wie Jcais. maj. aus iren erblanden ain kunigreich machen soll. Theodor Gottlieb, Büchersammlung Kaiser Maximilians I., Leipzig 1900, S. 45; auch Giehlow, a. a. O., S. 28. 2) Vgl. Bauer, a. a. O., S. 69 f. 3) Ebenda S. 117, 125; Redlich, a. a. O., S. 99.