Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 2. (1949)

LHOTSKY, Alphons: Handschriftenausstellung der Österreichischen Nationalbibliothek anläßlich des Ersten Österreichischen Archivtages. Handschriftliche Denkmäler der Geschichte Österreichs

Handschriftliche Denkmäler der Geschichte Österreichs 25 Als man in Rom unter Gregor XIII. die epochale Kalenderreform vorbereitete, hat sich auch der Wiener Mathematiker Paulus Fabritius (1578) gutachtlich geäußert (cod. n. 10711). Die vom Nr. 38 Papste für den 4./15. Oktober 1582 angeordnete Reform konnte in Österreich und Böhmen erst am 6./17. Jänner 1584 durchgeführt werden. Vgl. Joseph R. v. Aschbach, Geschichte der Wiener Universität 3 (Wien 1888), S. 192. Eine vom späteren Kaiser Rudolf II. eigen- Nr. 39 händig verfaßte lateinische Stilübung (aus der Zeit, da er, dem Einflüsse seines weltanschaulich unsicheren Vaters entzogen, am spanischen Hofe leben mußte), cod. n. 8051, f. 7—8, ist graphologisch interessant, denn sie läßt unschwer unter dem scheinbar so disziplinierten Ebenmaße die inneren Spannungen in dem jugendlichen Psychopathen erkennen. Unter Rudolf II. hat begreiflicherweise das Interesse an der Türkei zugenommen. So hat der Geschichtsschreiber Johann Löwenklau Nr. 40 1586 ein eigenartiges Bilderbuch aus dem türkischen Leben geschaffen, cod. n. 8615, das durch die Bibliothek des Prinzen Eugen von Savoyen (f 1736), die Kaiser Karl VI. ankaufte, in die Hofbibliothek gelangte. Mit zwei Denkmälern aus dem 17. Jahrhundert ist die Reihe beschlossen worden. Die leider nur in einem Bande (1666 bis 1679) erhaltenen ,,Audienzmemorialien“ des gelehrten Präfekten der Hof­bibliothek Petrus Lambeck (cod. n. 8011) sind eine noch lange nicht Nr. 41 ausgeschöpfte kulturgeschichtliche Quelle höchsten Ranges. Vgl. einstweilen Theodor Karajan, Kaiser Leopold I. und Petrus Lambeck (Almanach der Kais. Akademie der Wissenschaften in Wien 1868, S. 103 ff.). Aus dem Architekturwerke des Hofkriegsrates Wolfgang Wilhelm Prämer (um 1670), cod. ser. nov. n. 365, wurde der Entwurf Nr. 42 für eine Neugestaltung der Südwestseite der Wiener Burg gezeigt, der bisher von der burggeschichtlichen Literatur (Moritz Dreger in der Österreichischen Kunsttopographie 14, 1914, und Alphons Lhotsky in der Festschrift des Kunsthistorischen Museums 1, 1941) übersehen worden war. Die in der sehr knappen Zeit von drei Tagen erfolgte Einrichtung dieser Handschriftenausstellung war nur jnöglich durch die tatkräftige Unterstützung seitens des Herrn Staatsbibliothekars Dr. Franz Unterkircher (Österreichische Nationalbibliothek) und des Herrn Amtsrates Hans Waldum (Kunsthistorisches Museum). Hier den verdienten und gebührenden Dank abzustatten, ist dem Bearbeiter ein aufrichtiges Bedürfnis. A. Lh.

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