Fekete Ludwig: Türkische schriften aus dem Archive des Palatins Nikolaus Esterházy (Budapest, 1932)

Einleitung

Nikolaus Esterházy überrascht, bei Nyárhid (27. Nov.) geschlagen wurde und hiebei seine ganze Beute verlor. Ibrahims Vetter mütterlicherseits war Mehmed Pascha, der Grossvezir (1604—1606) und Serdar von Ungarn zu Beginn des Jahr­hunderts. Gleich Ibrahim bekleideten auch seine drei Brüder, Hasan, Mustafa und Halil, hohe Würden; während der Zeit, da Ibrahim die Bejlerbejstelle von Eger innehatte (1631), wirkte Hasan ebenfalls als Bejlerbej in Bosnien; auch Mustafa war Pascha, im Jahre 1634 dürfte er Sandzakbej von Pozsega gewesen sein. Doch der dritte der Brüder, Halil, war Sandzakbej von Kirka. Auch von Ibrahim werden drei Söhne genannt: Hasan, Hüsein, Ali, weiters ein Stiefsohn namens Arslan, schliesslich eine Tochter, deren Name jedoch unbekannt ist. Hasan, anscheinend der älteste von den Söhnen, unternahm, wohl i. J. 1631, eine heilige Pilgerfahrt (hädzdz) nach Mekka; daher sein Beiname hädzdzi „Mekka-Pilger", wie er später als Bejlerbej von Kanizsa genannt wird. Als er sich auf seiner Pilgerreise in Konstantinopel aufhielt, wendete er sich hier im Auftrage seines Vaters an die Freunde seiner Familie mit der Bitte, die Ernennung seines Bruders Hüsein zum Sandzakbej vorbereiten und unterstützen zu wollen. Seine Bemühungen waren auch tatsächlich von Erfolg begleitet. Die Konstantinopler Freunde sicherten dem Vater Ibrahim ihre aufrichtige Unterstützung zu, machten ihn aber darauf aufmerksam, dass ihre Bemühungen allein nicht ausreichen würden; es sei dazu auch Geld erforderlich, da der Vezir „nicht die schönen Briefe, sondern das Geld liebe". Ihrerseits unternahmen sie alles, um dem Ansuchen in Konstantinopel die Wege zu ebnen, und wendeten sich in dieser Angelegenheit auch brieflich an ihre Freunde, so auch an den Kethüdä, den Sekretär Musa Paschas, des Bejlerbejs von Ofen. So reichte also die Protektion von Eger über Konstantinopel bis an den Hof des Ofner Vezirs und betonte immer wieder, dass Ibrahim Pascha ein echter „Wolf", seine Söhne „echte Wölflinge" seien, die Unter­stützung^und Förderung verdienten. Als dann Ibrahim die nötigen Aufklärungen und Verständigungen in der Hand hatte, schrieb er ein Gesuch wegen der Ernennung seines Sohnes, welches aber durch irgendeinen Zufall statt nach Konstantinopel in die Hände Nikolaus Esterházys und später in dessen Archiv gekommen ist. P Die türkischen Annalisten liefern sehr häufig Daten, die darauf hinweisen, dass die Träger der höchsten Würden im Türkischen Reich des XVII. Jahrhunderts meist durch verwandtschaftliche Bande mit-

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