Fekete Ludwig: Türkische schriften aus dem Archive des Palatins Nikolaus Esterházy (Budapest, 1932)
Einleitung
ebenso nötig schien nun zur Sicherheit Vác* die Erwerbung des nicht weit davon entfernt liegenden Damásd. Diese kleine Palanke, die im südlichen Komitat Hont zwischen zwei türkischen Festungen, Párkány (türkisch: Dáigerdelen parkani) und dem damals schon türkischen Vác, lag, hatten die Türken bereits zur Zeit der zweiten Offensive Bethlens im Jahre 1624 belagert, ohne sie erobern zu können. Später geriet sie dann zweimal, und zwar 1626 und 1641, in türkische Hände. Ihre Eroberung war das Werk Murtedas, eines mit dem System der Verwaltung vertrauten Hofmannes, der wohl wusste, dass ein solches Unternehmen recht gut mit einer Auszeichnung, aber ebensogut mit einer Bestrafung endigen konnte. Ihm mochte es zur Warnung dienen, dass auch Kara-kasch Mehmed wegen der unbe- rechtigten Einnahme von Vác die Ofner Bejlerbejstelle verlor. Darum ging Murtedas Bestreben dahin, der Sache eine gefällige Deutung zu geben: „Die ganze Welt weiss, dass man die Festung ver- lassen gefunden hat und wir sie in solchem Zustand besetzen Hessen". 1 Aus dem erwähnten Grunde bestand er jedoch nicht auf dem Besitz der Festung. Als ihm der Palatin drohte, dass die eben aktuellen Friedensverhandlungen ohne vorherige Rückgabe von Damásd nicht beginnen könnten, 2 gaben die Türken im Jahre 1627 Damásd zurück. Heimlich aber leisteten sie keinen Verzicht darauf; denn 14 Jahre später brachten sie die Festung — zur Bestürzung der Ungarn — mitten im Frieden neuerdings in ihre Gewalt und gaben sie wieder erst auf das energische Einschreiten des Palatins — allerdings zerstört — zurück. 3 Das Los der „gemeinsamen" Dörfer. Die Behandlung der Raajas. Die Erstürmung von Festungen war nicht die einzige Kund- gebung türkischen Machtwillens zu „Friedenszeiten". Bekannt ist eine andere Gewaltäusserung, die zwar geringeres Aufsehen erregte und weniger Widerstand auslöste, hingegen mehr Erfolg hatte. Sie führte — bei einer vorläufigen Aufrechterhaltung der politischen Grenzen — zur Erweiterung des finanziellen Einflusses. 1 s. S. 254. 2 Esterházy Miklós, III, 20. 3 s. S. 339; Stephan Hajnal: Az 1642. évi meghiúsult országgyűlés iratai S. 81; Musa an Questenberg: Wien, St.Arch., Turcica, Akten, 19. Sept. 1641.