Ludwig Fekete: Einführung in die Osmanisch-Türkische Diplomatik der Türkischen Botmässigkeit in Ungarn (Budapest, 1926)
PALÄOGRAPHISCHER TEIL
VERZIERUNG DER SCHRIFT. Zier- Zur Hebung des äusseren Schmuckes der buchstaben. Schrift gelangen auch bunte Tinten zur Verwendung. Das Titelblatt und die Schmuckinitialen (harf' menküse «C*yu» 3j*-) werden manchmal in acht bis zehn verschiedenen Farben ausgemalt. Ihre Ausarbeitung zeugt von sicherem Geschmack und ausserordentlicher, kleinlicher Sorgfalt. In der Zeichnung herrschen arabische Motive vor, wie Linienornamente und Pflanzenzeichnungen. Farben- Da man bei der Ausstellung der Urkunden Spielerei. in der Regel mit weniger Sorgfalt verfuhr, fehlen die Prachtbuchstaben. Soweit der Text die Hervorhebung gewisser Teile forderte, trachtete man dies einfach durch Verwendung bunter Tinten zu erreichen. Die so zur Belebung gebrauchten Farben sind Gold, Lichtblau, Zinnober und Karmin. Aber auch die — übrigens grob geschriebenen — farbigen Texte finden wir nur in vereinzelten Spielarten der Urkunden: in kaiserlichen Briefen und in Schreiben der Grosswesire nach dem Ausland. Mit bunten Tinten ausgezogen wurde die Tugra einiger grossherrlichen Nämes. Diese suchte man schon seit Anfang des 16. Jhdts mit besonders prächtigen Formen zu malen. Wenn auch der Grad der Ausschmückung je nach der Wichtigkeit des einzelnen Falles und nach anderen Umständen schwankte, im Wesen ist die Gewohnheit einer solchen Ausschmückung bis in die neueste Zeit dieselbe geblieben. Ausser der Tugra wurden noch jene Teile der Urkunden in bunten Tinten geschrieben, in denen der Sultan, der durch ihn gegebene hohe Erlass oder Gottes Name erwähnt oder angerufen wurde. 1 Zur Zeit, als Ungarn unter türkischer Botmässigkeit stand, wurden Goldtinten, seltener blaue oder rote, gebraucht. Die Penöe des Grosswesirs wurde in für das Inland bestimmten Erlässen in schwarzer Tinte mit Pinsel ausgeführt, in nach dem Ausland ge1 Die Beispiele für die Hervorhebung der Obgenannten sind zahlreich. Die Namen der Kaiser-Könige werden nur ausnahmsweise mit farbiger Tinte geschrieben, z. Bsp. im Briefe Sultan Ahmeds I. an Matthias. (Wien, St. A. Turcica, Urk.) sandten Schreiben (z. Bsp. in den Briefen der Grosswesire) meist in Gold. Der Gebrauch der Goldfarben (ab 1 zer jj vO wird gegen Ende der Botmässigkeit zur Regel, bei feierlichen Anlässen gebrauchen sie sogar die Kanzleien (auch kalem genannt) der Pasas von Buda. Bei goldenen Tinten waren zwei Nuancen bevorzugt: die grünlich goldene (jesil altin J^t» ound die gelblich goldene (sari altin <£jL> Seit Ende des 17. Jhdts schrieb man die feierlichen Urkunden zeilenweise abwechselnd rot und gold oder rot und blau oder in Zusammenstellungen von Schwarz mit den obigen Farben. Diese Art des Schmuckes übertrieben noch einzelne Handschriftkopisten. Es gibt einen Fall, wo die in bunten Farben geschriebenen gradzahligen Zeilen und die schwarzen ungradzahligen je gesondert zusammenhängen und so übereinander greifend den Text ergeben. 1 Die Farbe der Tinte kann nicht nur zeilenweise, sondern auch innerhalb der Zeile wechseln, z. Bsp. in einer in sieben Teilen zerfallenden Zeile können vier Teile schwarz, drei golden sein. Die Farbe der Teile wechselt von Zeile zu Zeile. 2 Für Schmuckelemente müssen wir die symmetrisch gesetzten grösseren Punkte und bemalten Kreise betrachten. Diese wurden in den Kodexen mit kleinlicher Sorgfalt in sechs-sieben Farben eingezeichnet, die in den Urkunden vorkommenden sind gröber und nur einfarbig gezogen. In den Schreiben der Grosswesire sehen wir selten farbige Tinten; nur die Pence und gegebenenfalls die Namen Gottes und des Sultans wurden mit Goldtinte geschrieben. Im Schreiben niedrigerer weltlicher und geistlicher Beamter finden wir selten farbige Tinten. Manchmal wurde für Hervorhebung der wichtigen Teile der Defters, für Beglaubigung der Kopien u. s. w. farbige Tinte verwendet. Auch der Wechsel in den Buchstabentypen Gemischte Verwendung dient zur Belebung des Äusseren. In den Schrei- der Schrifttypen. ben im Divänitypus schrieb man z. Bsp. die DaVet 1 Wien, National-Bibliothek, Hss A. F. 164. 2 Fermän an Apafi vom November 1684 (Wien. St. A. Turcica, Urkunden).