Komjáthy Miklós: Protokolle des Gemeinsamen Ministerrates der Österreichisch-Ungarischen Monarchie (1914–1918) (Magyar Országos Levéltár kiadványai, II. Forráskiadványok 10. Budapest, 1966)

Einleitung: Die Entstehung des gemeinsamen Ministerrates und seine Tätigkeit während des Weltkrieges

3n St. Burián: Drei Jahre. Berlin 1923, S. 19 ff. Jene Fragen, über die im weiteren gespro­chen wird, auf S. 31 — 32. 323 O. Czernin: Im Weltkriege. Berlin—Wien 1919, S. 301: ». . . die alten Zeiten kommen nie mehr wieder. Eine neue Weltordnung wird unter Krämpfen und Schmerzen geboren.« 324 A.a.O. S. 301 z.B. : »Über die Friedensverhandlungen in Brest-Litowsk lasse ich mein Tagebuch sprechen.« 325 Demgegenüber fehlt im Ministerratsprotokoll jede Spur eines nicht gerade unwesentli­chen Zwischenrufes Wekerles, über den noch Czernin in seinen Memoiren schreibt. Als von Österreichs katastrophaler Ernährungslage die Rede war, ». . . Dr. Wekerle mir bei diesen Ausführungen widersprechend ins Wort fiel . . .« — heißt es in den Memoiren (a.a.O. S. 329). 326 Laut Protokoll hat Czernin erklärt: ». . . befinde er sich in der Situation eines Mannes, welcher sich im dritten Stocke eines brennenden Hauses befindet und als einzige Rettungs­möglichkeit aus dem Fenster herausspringt. Der Mann wird in diesem Augenblicke nicht daran denken, ob er sich beim Rettungssprung auch die Beine bricht«. Der entsprechende Passus der Memoiren (S. 329) lautet: ». . . befänden wir uns in der Situation eines Mannes, welcher im dritten Stock eines brennenden Hauses sei, und, um sich zu retten, aus dem Fenster herausspringe. Der Mann werde in diesem Augenblicke nicht daran denken, ob er sich die Beine breche oder nicht, er werde den möglichen Tod dem sicheren vorziehen«. 327 Czernin ist auch in der Wiedergabe der Dinge, sogar auch vom Gesichtspunkt der Reihenfolge genauer, konsequenter als Burián. In seinen Memoiren gibt es weniger Spuren von Umfärbungen, Umschattierungen, Ummotivierungen als bei Burián. Gleichzeitig über­geht er aber mehr Dinge stillschweigend. Natürlich darf nicht vergessen werden, daß über die Verschiedenheit ihrer Persönlichkeit hinaus auch die unterschiedliche geschichtliche Lage, in der sie seinerzeit im gemeinsamen Ministerrat gesprochen hatten bzw. in der ihre Memoiren in endgültige Form gegossen wurden, mitgespielt hat. 328 Über prinzipielle und Schwierigkeiten allgemeinen Charakters hinaus wurde der Ver­fasser in dem Bestreben, die Glaubwürdigkeit der Protokolle des gemeinsamen Ministerrates mit gesellschaftsgeschichtlicher Vertiefung festzustellen, in nicht geringem Maße dadurch gehindert, daß es ihm bei seinen Forschungen in Wien an Zeit mangelte, jene ganze Schriften­masse genau zu durchforschen und zu analysieren, mit welcher die Ministerratsprotokolle in organischem Zusammenhang entstanden sind. 329 Vgl. S. 45—46 des vorliegenden Bandes.

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