Komjáthy Miklós: Protokolle des Gemeinsamen Ministerrates der Österreichisch-Ungarischen Monarchie (1914–1918) (Magyar Országos Levéltár kiadványai, II. Forráskiadványok 10. Budapest, 1966)

Einleitung: Die Entstehung des gemeinsamen Ministerrates und seine Tätigkeit während des Weltkrieges

Schein zu vermeiden, als wollte ich den Grund für den Zusammenbruch der Österreichisch­Ungarischen Monarchie in erster Linie in dem Umstand suchen, daß ihr Staatsapparat ver­altet war. Wie den Fokus einer Linse auf einen bestimmten Punkt, richte ich das Augen­merk unserer Untersuchungen auf die auf der Ebene der Hilfswissenschaften und der Amtsge­schichte wahrnehmbaren Daten und auf die in ihrem Spiegel sich zeigenden Erscheinungen. 183 R. v. Kühlmann: Erinnerungen. Heidelberg 1948, S. 390: »Er legte sofort dar, wie die Mobilmachungsmaschinerie wie ein höchst genaues Uhrwerk, einmal in Bewegung gesetzt, automatisch weiterlaufe. Den rollenden Rädern in die Speichen zu fallen, sei ganz unmöglich... Für den Mann, der die gesamte Verantwortung für die Mobilmachung und damit auch im wesentlichen schon für den Ausgang des Feldzuges trug, müssen das furchtbare Stunden gewesen sein.« — Im wesentlichen ebenso berichtet darüber B. Fürst von Bülow: Denk­würdigkeiten. Berlin 1931 Bd. III, S. 172. Die Zuspitzung, Dramatik der sich fast von Minute zu Minute verändernden Lage erhellt aus einer beiläufigen Bemerkung in Bülows Denk­würdigkeiten: der Kaiser empfing Moltke bei dieser kritischen Audienz in Unterhosen. 184 Das 19. und 20. Jahrhundert (História Mundi Bd. X) Bern—München 1961, S. 245. 185 Ich möchte den Leser an die Methode István Hajnals erinnern. Meiner Meinung nach müssen wir die ersten Schritte zur Vertiefung der Hilfswissenschaften und amtsgeschichtlichen Arbeiten in die Gesellschaftsgeschichte im Lichte jener Lehren tun, die aus dem Studium seiner Methode gewonnen werden können. 186 Aus der eigenartigen Zusammensetzung dieser zwei Klassen fließend handelt es sich hier überwiegend um die Gegensätze zwischen Agrarwirtschaft und Industrie (hauptsächlich Schwerindustrie). Die starken agrarischen Charakter aufweisende ungarische herrschende Klasse hatte Verbindungen zur ungarischen Schwerindustrie. So nahm der Zusammenprall der österreichischen und ungarischen Schwerindustrie in den Debatten des gemeinsamen Ministerrates — zumindest in seiner Phraseologie — nicht selten den Schein eines Kampfes um die ungarische Unabhängigkeit, Selbständigkeit an. 187 Die Arbeit des gemeinsamen Ministerrates streift über die einfachen Debatten hinaus sogar schon die legislatorische Tätigkeit der Delegationen. In der Ministerkonferenz vom 6—15. September 1917, die sich unter anderem mit dem Schiffbauprogramm befaßte, wurde dies vom ungarischen Finanzminister zur Sprache gebracht: »Der gemeinsame Ministerrat sei nicht berechtigt, ein förmliches, baulich und finanziell auf mehrere Jahre, wahrscheinlicher­weise über die Dauer des Krieges sich erstreckendes Schiffsbauprogramm zu bewilligen, weil hiedurch den hiezu einzig und allein berufenen Delegationen vorgegriffen und den Volks­vertretungen Anlaß zu berechtigten Einwendungen geben würde.« (S. 572 des vorliegenden Bandes.) 188 S. dazu E. Hillebrand: Der Brückenkopf Wien im ersten Weltkriege. Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs. 14. Bd. Wien 1961, S. 138—144. Der Text des Protokolls im vorliegenden Band S. 168 — 172. 189 »Seine k. und k. Apostolische Majestät geruhen den Ministerrat mit der Bemerkung zu eröffnen, die Versammlung sei einberufen worden, um den anwesenden Ministern Gelegen­heit zu geben, ihre Ansicht über die sehr wichtige Frage der Befestigung der beiden Haupt­städte Wien und Budapest, sowie der Donaubrücken auszusprechen.« (Ebd. S. 169.) 190 ». . . es liege Seiner Majestät angesichts der gefährlichen Situation sehr viel daran, die Ansichten der versammelten Herren über die Lage kennen zu lernen. Allerhöchstderselbe lege den größten Wert darauf, daß jeder Teilnehmer an der Conferenz seine Anschauung vollkommen aufrichtig und mit möglichster Präzision zum Ausdruck bringe .. .« (ebd. S. 216). 191 Zur Bezeichnung Kronrat komme ich im weiteren bei Behandlung der Formalitäten der Protokolle des gemeinsamen Ministerrates noch zurück. 192 p ro tokoll des am 22. Januar 1917 in Wien abgehaltenen gemeinsamen Ministerrates (K.Z. 5 - G.M.K.P.Z. 532). Ebd. S. 192. 193 Siehe weiter oben auf S. 24. 194 Das Protokoll dieses Ministerrates wurde nämlich unter G.M.K.P.Z. 534, das Protokoll der am selben Tage abgehaltenen zweiten Sitzung aber unter G.M.K.P.Z. 535 registriert. Siehe S. 471 ff. des vorliegenden Bandes.

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