Mitteilungen des K. K. Archivrates 3.
Otto H. Stowasser: Das Archiv der Herzoge von Österreich. Eine Studie zur Überlieferungsgeschichte der habsburgischen Urkunden
Das Archiv der Herzoge von Österreich. 43 entzieht sich unserer Kenntnis. Wir können nur aus dem großen Repertorium, das in den Jahren 1527 bis 1547 erarbeitet wurde, Absicht und Anlage der Archivorganisation zu ergründen trachten. Dieses Werk liegt uns doppelt vor. Denn die unter dem Namen Putsch A und B im Staartsarchiv vorliegenden je fünfbändigen Repertorien stehen zueinander in dem Verhältnis von Konzept und Reinschrift.1) Über die zeitlichen Grenzen, in denen beide entstanden sind, läßt sich genauer nur sagen, daß die Arbeit am Konzepte vor 1545 abgeschlossen war, denn das Wallseer Archivinventar, das damals aufgenommen wurde) erscheint hier nicht mehr2) und anderseits sind die 1530 und 1535 von Innsbruck gekommenen Archivalien noch in einem Zuge mit den anderen verarbeitet, es kann also die Reinschrift damals noch nicht weit gediehen sein, wenn sie schon begonnen war. Und während das Konzept zum Großteil von Putsch' eigener Hand geschrieben ist, besorgte den Großteil der Reinschrift sein Wiener Gehilfe Schweinhämbl.3) Dieses Repertorium ist aber nun etwas anderes. Nicht daß es eine wesentliche neue Einteilung und Anordnung träfe, es hat nur die schon im Tiroler Repertorium von 1484 angewandte Ordnung nach den zwei Gesichtspunkten der Örtlichkeit, wobei wir die Geschlechter mitbegreifen, und der Urkundenart ausgebaut und vertieft. Der Fortschritt liegt in der Vervollkommnung des Einzeleintrages im Repertorium, der Kenntlichmachung der Einteilung an der einzelnen Urkunde und in der Zugabe eines wohldurchdachten Registers zum Gesamtrepertorium. Das Wiener Repertorium ist eben das genaue Gegenstück zu dem mit Recht vielgefeierten Innsbrucker, ja es bildet mit diesem sogar eine bewußte ideelle Einheit und erst beide zusammen repräsentieren den ganzen Bestand des alten Staatsarchivs der Herzoge von Österreich. 1) Vom Konzept besitzt das Staatsarchiv heute nur mehr die Bände 1, 3 und 5. Band 2, der die geistlichen Sachen umfaßt, ist vermutlich bei einer kirchlichen Aktion des Staates einmal entlehnt worden und befindet sich heute im Archiv für Niederösterreieh (Statthaltereiarchiv Wien). Dort liegt ein Teil der Klosterratsakten und vermutlich steht der verschlagene Band damit in Zusammenhang; es wäre wünschenswert, daß er wieder an das Staatsarchiv zurückgegeben würde, weil ihn im Archiv für Niederösterreich — er wurde auch kürzlich erst durch Edmund Frieß aufgefunden — niemand sucht, er dort also wertlos ist, während er im Staatsarchiv fehlt. Ober das Schicksal des 4. Konzeptbandes konnte ich nichts ermitteln. Putsch B, die Beinschrift, ist vollständig erhalten. Vgl. Winter, a. a. 0. S. 9, Anm. 1, wo das übersehen ist. In den beiden Handschriften selbst hat Andreas von Meiller seiner Meinung eingangs dahin Ausdruck gegeben, daß Putsch A in den Jahren 1512 bis 1518, Putsch B in den Jahren 1522 (?) bis 1547 entstanden wäre. Es war ein Irrtum. 2) Putsch A, I, S. 1169; B, I, S. 1347. 3) Vgl. Beilage Nr. 7. In Innsbruck hatten Besch und Jeremia mit Putsch zusammen gearbeitet. Vgl. Mayr, a. a. 0. S. 146.