Mitteilungen des K. K. Archivrates 2. (Wien, 1916)

Dr. Andreas Mudrich: Das Salzburger Archivwesen

Das Salzburger Archivwesen. 25 Freiherr vom Lamberg ersucht, zweckdienliche Anträge zu stellen. Auf den Vorschlag des ersteren wurde Peter Mitis mit dieser Aufgabe be­traut und in das Gelübde genommen. Gegen eine monatliche Besoldung von 12 fl. sollte er ein Repertorium verfassen und über seine Arbeit monatlich berichten.1) Sie scheint sich aber, soweit man sie verfolgen kann, nur auf die Registrierung und Kopierung der päpstlichen Bullen und Briefe, die sich in dem mittleren Kasten im Archiv befanden, er­streckt zu haben. Zuerst versah er die Originale mit Nummern, und zwar ohne Rücksicht auf ihre Datierung und Inhalt, gerade wie sie ihm unter die Hand kamen. Diese Willkür entschuldigt er damit, daß ihm die Originale nicht alle zugleich zugänglich waren, sondern nur partien­weise aus dem Verschluß herausgegeben wurden.2) Nach der Reihe dieser Nummern verfaßte er das im Konzept noch vorhandene3) »Compendium bullarum sive extractus compendiosus omnium bullarum apostolicarum et aliarum adiacentium litterarum«, in welchem er 237 bald kurze (im ersten Teil), bald ausführliche Regesten eintrug. Der Zeit nach gehören 6 dem 11. Jahrhundert, 23 dem 12., 114 dem 13., 18 dem 14., 20 dem 15., 49 dem 16. und 3 dem 17. (1612) an. Unter ihnen finden sich manche, die man im Geheimen Hauptarchiv suchen würde. Dann schrieb Mitis die Originale in extenso in ein Buch ab und stellte deren Inhalt in zahlreichen Randnoten übersichtlich dar. Dieses jüngere »Bullarium« (748 Seiten in Großfolio, Perg.) scheint verloren ge­gangen zu sein. Außerdem trug er in ein Buch, betitelt Summa marginalium bullarii, die Randnoten von 89 wichtigeren Stücken zusammen (122 Blätter Fol.) »und verzeichnete die Tituli et inscriptiones bullarum et aliarum litterarum in antiquiori bullario contentarum« (Heft, 116 Seiten). Das erstere ist in Reinschrift, das andere im Konzept noch vorhanden.4) Da­gegen ist auch das ältere Bullarium, das übrigens erst nach 1612 an­gelegt worden sein konnte und auf 654 Seiten 220 Stücke, die gleichen wie das jüngere, enthielt, in Verlust geraten. Durch die Kriegsgefahr im Jahre 1632 wurde diese Arbeit unter­brochen. Das Kapitel fand es geraten, das Archiv samt den Wert­sachen in einer eisernen Truhe auf die Festung Hohenwerfen bringen zu lassen.5) Drei Jahre später wurden die Ordnungsarbeiten wieder aufge­nommen und dem Kapitelschreiber Eustach Guggenberger anvertraut.6) U Ebenda 1628, f. 20; 61. 1629, f. 12. ■) Archiv XI, 1061/,. 3) Ebenda. *) Ebenda 106; 1061/.,. 5) Domk.-Prot. 1632, f. 34. 6) Ebenda 1635, f. 11.

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