Mitteilungen des K. K. Archivrates 1. (Wien, 1914)

Dr. Václav Vojtišek: Das Archiv der Stadt Prag und seine Erforschung

46 Dr. Váelav Vojtíáek. 1855 bis 1901) und für andere Werke desselben, nicht minder auch Dr. Sigmund Winter für seine Werke über das Leben in den Städten, über die kirchlichen und Schulverhältnisse in Böhmen und über böhmi­schen Handel und Gewerbe im XV. und XVI. Jahrhundert. Und neben diesen Männern, welche im großen Stil arbeiteten, steht die lange Beihe solcher Forscher, welche das Archiv zu Spezialstudien benützten und die Publikation des hier vorhandenen Materials besorgten. Es ist selbst­verständlich, daß die Beamten dieses Archivs in erster Linie es waren, deren wissenschaftlicher Arbeit hier die Grundlage sich bot. Die wissenschaftliche Tätigkeit war für die Beamten des Prager Stadtarchivs jederzeit eine Ehrenpflicht und die hiedurch gezeitigten Er­gebnisse sowie die Unterstützung, die sie anderen Forschern in deren Bestrebungen und Arbeiten angedeihen ließen, schufen dem Archiv der Stadt Prag einen guten Namen in der wissenschaftlichen Welt. Schon der erste Archivar Karl Jaromir Erben (geboren am 7. November 1811 in Miletin und gestorben am 21. November 1870 in Prag) vollbrachte eine große wissenschaftliche Tat mit der Herausgabe des ersten Bandes des Werkes »Begesta diplomatica nec non epistolaria Bohemiae et Mora- viae« (Prag 1855). Außerdem publizierte er eine Beihe alter böhmischer Schriftdenkmale, von denen namentlich die gesammelten böhmischen Schriften des M. Johann Hus zu nennen sind. Weiter schrieb er, abge­sehen von kleineren Arbeiten, über amtlichen Auftrag das Buch »Die Primatoren der königlichen Altstadt Prag« (1858) und die »Geschichte der Prager Scharfschützen« (I860). Dr. Josef Emler (geboren am 10. Jänner 1836 in Libán an der Bistfitz, gestorben in Prag am 10. Februar 1899) brachte in sein Amt die Liebe zur Arbeit mit, welche in der Tat auch sein ganzes Leben erfüllte. Von seinen zahlreichen Arbeiten seien er­wähnt: die wichtige Ausgabe der »Beliquiae tabularum terrae regni Bohemiae« (Prag I, II, 1870, 1872), drei weitere Bände des von Erben begonnenen Werkes »Begesta diplomatica« (Prag 1882 bis 1892), eine Beihe von Publikationen in den »Fontes rerum Bohemicarum«, und die Publikation der »Libri confirmationum«. Er verfaßte auch die »Bukovét Chronologie kfesfanské, zvlásté őeské (Handbuch der christlichen, ins­besondere der böhmischen Chronologie)« (Prag 1876) und schrieb eine lange Beihe von Artikeln und Aufsätzen auf dem Gebiete der Geschichte Prags, der Diplomatik und der Quellenkritik. Allein seine Amtsperiode brachte dem Stadtarchiv auch in anderer Hinsicht eine besondere Stellung in der böhmischen wissenschaftlichen Arbeit. Als er zum Professor der historischen Hilfswissenschaften an der Prager Universität ernannt worden war, führte er, da es ihm an den nötigen Lehrmitteln gebrach, seine Schüler in das Stadtarchiv, lehrte sie an der Hand des hier vorhandenen Materials und hatte er einmal bei den einzelnen seiner Schüler die

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