Mitteilungen des K. K. Archivrates 1. (Wien, 1914)
Aus den Berichten von Konservatoren, Korrespondenten und Archivaren
Posselt ist es gelungen, das ebenerdig in einem Holzschrank untergebrachte Pfarrarchiv in das Fundationshaus zu flüchten. In dem vom Architekt Bombert Hemmrich in Gablonz a. d. N. verfaßten Projekt fűiden Wiederaufbau des Pfarreigebäudes ist für das Archiv ein feuersicherer Baum vorgesehen worden. Baspenau, Pfarrarchiv. Der Vorstand des Gablonzer Stadtmuseums, Fachlehrer Karl B. Fischer, teilt mit, daß bei der Beno- vierung des Pfarreigebäudes in Baspenau (politischer Bezirk Friedland) für das Archiv ein feuersicherer Baum hergestellt wurde. Beinowitz, Archivalien der Glashütte. Wie der Vorstand des Gablonzer Stadtmuseums, Fachlehrer Karl B. Fischer mitteilt, brannte am 4. Oktober 1913 die Glashütte des Leopold Biedel in Beinowitz nieder, wobei neben der Bibliothek des Besitzers zahlreiche wertvolle Archivalien zur Geschichte der Glasindustrie und der Familie Biedel verbrannten. So insbesondere Bechnungsbücher aus dem 18. Jahrhundert, tagebuchartige Aufzeichnungen von Johann Karl Biedl (1701 bis 1781) und von Johann Christoph Biedl (1739 bis 1812). Glücklicherweise besitzt das Stadtmuseum Gablonz von den genannten Archivalien Abschriften. Die Chronik der von Johann Leopold Biedl 1775 gegründeten Glas- hüttensiedelung Christiansthal ist der Vernichtung entgangen, weil sie zur Zeit des Brandes vom Gablonzer Stadtmuseum entlehnt war. Schlac kenwerth, Stadtarchiv. Gelegentlich einer auf Ersuchen des Archivrates zur Sichenmg neuerer Archivalien nach Schlackenwerth unternommenen Beise fand der Stadtarchivar von Eger Begierungsrat Dr. Si egl in einem ebenerdigen Baum des Bathauses sieben Handschriften des ehemaligen Schlackenwerther Piaristenkollegiums, die mit dem Jahre 1699 beginnen und bis zum 19. Jahrhundert reichen. Die Erhaltung und sorgfältige Verwahrung dieser für die Geschichte des Piaristenordens und der alten Lateinschule in Schlackenwerth wichtigen Archivalien wurde eingeleitet. Bukowina. K. k. Bergverwaltung Jakobeny, Archivalien, alte Drucke und Gebrauchsgegenstände. Auf Anregung des Konservators Professor Dr. Kaindl hat der Archivrat beim k. k. Ministerium für öffentliche Arbeiten die Abgabe von Archivalien, älteren Druckwerken und Gebrauchsgegenständen (alte Wagen, Kassen usw.) der Bergverwaltung Jakobeny, deren Verpachtung geplant ist, an das Landesregierungsarchiv, die Universitätsbibliothek und das Landesmuseum in Czernowitz beantragt. Das Ministerium hat diesen Antrag unter Wahrung des Eigentumsrechtes des Bukowinaer griechisch-orientalischen Beligionsfonds sowie des Bechtes der jederzeitigen Benützung und Bückforderung dieser Objekte stattgegeben. Aus den Berichten von Konservatoren, Korrespondenten und Archivaren. 297