Mitteilungen des K. K. Archivrates 1. (Wien, 1914)

Kleinere Mitteilungen

Kleinere Mitteilungen. 281 ginale vieler Urkunden im städtischen Archive einsehen, die jetzt spurlos verschwunden sind. Ein großer Teil der Dokumente wanderte wohl schon früh­zeitig (16. Jahrhundert) in die Sehwanbergschen Besitzungen Südböhmens (Wittingau); nach der Aufhebung des Minoritenklosters (1785) wurden viele Dokumente nach Prag abgeliefert (vgl. Schubert, Urkunden-Eegesten aus den ehemaligen Archiven der von K. Josef II. aufgehobenen Klöster, S. 209); aber erst der neuesten Zeit blieb es Vorbehalten, wertvolle Bestände urkund­lichen und namentlich Aktenmateriales zu zerstören oder zu verstreuen. 1877 wurde der sogenannte obere Torturm niedergerissen ; die auf dessen Dachboden schlecht und recht verwahrten Archivalien wanderten, soweit sie nicht an Kaufleute als Makulatur abgegeben wurden, bei der Fahr­lässigkeit der damaligen Stadtgewaltigen auf den Boden des Gymnasial­gebäudes, wo sie der damalige Gymnasialprofessor Dr. J. Kfikava »ordnen« sollte. Nach dem »dritten Berichte des städtischen Museums in Pilsen (1888)« überwies Prof. Kfikava 33 handschriftliche Bücher aus Mies dem genannten Museum als wertvolles »Geschenk«: es sind Gerichts-, Steuer-, Einnahmen- und Ausgaben-, Zinsen-, Testamenten-, Grund-, Kauf- und Verkauf-, Fristen-, Juramenten-, Kirchenbücher (14. bis 18. Jahrhundert) u. a., die jetzt noch im historischen Museum der Stadt Pilsen aufbewahrt werden. Vier handschriftliche Bücher der Stadtverwaltung (Ausgabenbücher u. a. von 1544 bis 1559, 1610 bis 1613, 1615 bis 1721 und 1752 bis 1756), die auf dem Gymnasialboden zurückgeblieben waren, fand der Berichterstatter als Bibliothekar des Staatsgymnasiums 1899 vor und reihte sie zunächst der Lehrer­bibliothek des Gymnasiums ein. Nach der Einsetzung der städtischen Archivs- und Museumskommission, die am 3. März 1906 über Antrag des Berichterstatters erfolgte, wurden diese letzten vier Archivalien mit Erlaß des k. k. Landes-Schulrates für Böhmen, 31. Mai 1907, Z. 25.268, dem städtischen Archive überwiesen. Was sonst noch in diesem verblieben war, wird weiter unten ausgewiesen. Außer in Pilsen und Wittingau finden sich auch in anderen Städten Mieser Urkunden, so z. B. im böhmischen Landesarchive in Prag 13 Stück, die nach den »Mitteilungen aus dem Landesarchive des Königreiches Böhmen« (II, 1908, S. 77 bis 179) ein Geschenk des Gerichtssekretärs Josef Kofinek genannt werden. Daß auch im Privatbesitze hier und anderwärts noch viele Stücke Mieser Provenienz versteckt sind, ist nicht nur wahrscheinlich, sondern auch durch Zufallsschenkungen für das Mieser Museum sowie durch private Nachweisung sicher gestellt. So sind jetzt zwei Urkunden des 15. Jahrhunderts im Privatbesitze, die der Berichterstatter in den »Mit­teilungen des Vereines f. Gesch. d. D. i. B.« (XLV. Jahrg. 1907, S. 522 bis 534) veröffentlichte. Die eine davon enthält eine Schenkung des Vlricus

Next

/
Oldalképek
Tartalom