Mitteilungen des K. K. Archivrates 1. (Wien, 1914)

Friedrich Schneller: Zum Archivwesen in Italienisch-Tirol

Archivwesen in Italienisch-Tirol. 225 G. B. Trener veröffentlichte hier (1901 bis 1902)') einen sehr weitaussehenden Plan. Die Erforschung der Archive sollte energisch in die Hand genommen werden, und zwar sollten zunächst jene im »Trentino«, dann aber auch die einschlägigen in Beichsitalien und in Deutsch-Tirol erforscht werden. Diesem Programm sind knapp skizzierte Angaben über den Bestand von 34 welschtirolischen und 7 reichs­italienischen Archiven und von 36 deutschtirolischen (zumeist aus den Archivberichten von E. v. Ottenthal und von 0. Redlich entnommene) Regesten von Urkunden beigefügt, die sich auf tridentinische Geschichte beziehen, und dieses Verzeichnis sollte später noch durch Angaben über weitere tridentinische Archive vervollständigt werden (was übrigens nicht mehr geschehen ist). Im »Schema«, welches die Instruktion enthält und nach welcher die Erforschung der Archive sich richten sollte, werden im allgemeinen die Grundsätze geltend gemacht, wie sie für die deutschtirolischen Archivberichte maßgebend waren; doch verlangte man nicht bei jedem Archiv eine genaue Bestandaufnahme, sondern gestattete man, je nach den Umständen, auch eine mehr oder minder summarische. Bemerkens­wert ist es aber, daß an jedem Orte gefragt werden sollte, ob man ge­neigt wäre, den jeweiligen älteren Bestand der Stadtbibliothek in Trient als Depot anzuvertrauen. Immer aber geht im Programm von einer Gesamtaufnahme der Archive die Rede und nicht bloß von einem Teile allein, etwa der Urkunden; man hatte also die Absicht, eigentliche Archivberichte und nicht etwa Urkundenregesten allein anzufertigen. Das muß gleich hier bemerkt werden; denn in der Ausführung des Planes, soweit von einer Ausführung desselben gesprochen werden darf, machte sich, wenigstens in den meisten Fällen, eine Abweichung geltend, indem gewöhnlich nicht völlige Bestandaufnahmen erfolgten, sondern bloß Regesten der vorhandenen Urkunden (stellenweise sehr weit herauf) verfaßt wurden. Übrigens verlief, nachdem ein ziemlich versprechender Anfang gemacht und die Sache fast ein Jahrzehnt lang eifrig betrieben worden war* 2), ') Trener G. B., L’ Esplorazione degli Archivi Trentini. Appello della »Tri- dentum«. Tridentura IV (1901), S. 400 u. 458, V (1902), S. 35 u. 106. — Gli Arehivi del Trentino. I. Trento, 1910. S. 1. 2) Hieher gehören folgende Schriften: Graziadéi D., L’archivio comunale di Caldonazzo. Trid. V (1902), S. 158. — — Pergamene dell’ archivio comunale di Bosentino. Trid. X (1907), S. 331. Reich D., Le pergamené dell’archivio com. di Vervö. Trid. V (1902), S. 193. Perotti Beno Fr., L’ archivio parroehiale di Avio, 1500—1830. Trid. V (1902), S. 241. Martinelli D., Pergamene e documenti antiehi esistenti nell’ archivio della parrochia di Calceranica. Trid. V (1902), S. 331. Gerola G., L’archivio gastaldiale di Viarago. Trid. V (1902), S. 389.

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