Mitteilungen des k.u.k. Kriegs-Archivs 7. (Dritte Folge, 1911)

Gentz und Fasbender. Ungedruckte Briefe aus der Zeit von 1802 bis 1808. Mitgeteilt von Major Jacubenz

Geniz und Fasbender. 95 haltenden Verfolgung*) und Bedrängung derselben, hervor­gehen kann. Der gegenwärtige Augenblick ist entscheidend. Wird Oesterreich ihn denn ganz ungenützt verstreichen lassen? Wird es denn, wenn auch wirklich entschlossen, für die allgemeine Sache von Deutschland und Europa nicht unmittelbar die Waffen zu ergreifen, nicht wenigstens etwas für sich selbst und eben dadurch für die Übrigen thun? Wird es seine bisherige passive Neutralität nicht endlich in eine aktive verwandeln und sich derjenigen Punkte bemächtigen, die für seine Sicherheit, Unabhängigkeit und Existenz notwendig, für die Aufrechthaltung seines An­sehens und seines Kredits von augenscheinlicher Wichtig­keit sind? Wird es zugeben, daß eine Handvoll lumpichter Bayern und Württemberger die Eroberung von Schlesien vollenden, damit dort einst der Unterdrücker von Deutsch­land, wenn die Bussen ihn von der Weichsel zurückjagen, eine sichere und bequeme Wohnstätte finde? Wird es zugeben, daß er zu Stettin, Cüstrin, Glogau, Breslau und Brieg, nun auch noch das kostbare Cosel erhalte, die Oder vom Aus­flusse bis an den Ursprung beherrsche und von Ober-Schlesien aus, Böhmen, Mähren und Galizien auf einmal bedrohe ? Wird es nicht wenigstens, selbst ohne Krieg anzufangen, Cosel, Neisse und Glatz besetzen und die Demarkations-Linie einer selbstständigen Neutralität bis an die südliche Grenze von Nieder-Schlesien ausdehnen? Wird es nicht Braunau zurückfordern und um Tirol und Venedig traktieren? Wird es sich nicht zwischen Frankreich und Rußland, als wahrer Friedensvermittler, das heißt als imposanter Schiedsrichter stellen? Diese Fragen beschäftigen mich unablässig; und tief bin ich von der Wahrheit dessen überzeugt, was Sie in Ihrem letzten Briefe mir sagten, ,,daß wir gewiß fünfzigmal in einem Tage mit unsern Gedanken einander begegnen.” Ihre Äuße­rungen über die Wichtigkeit Schlesiens sind mir alle aus der Seele genommen ; und ich sehe mit der größten Zufriedenheit, daß wir, nach wie vor, von denselben Grundsätzen und Ge­*) Das ist nicht richtig; eine Verfolgung war aussichtslos, weil die Franzosen noch frische Truppen zur Verfügung hatten.

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