Mitteilungen des k.u.k. Kriegs-Archivs 7. (Dritte Folge, 1911)

Gentz und Fasbender. Ungedruckte Briefe aus der Zeit von 1802 bis 1808. Mitgeteilt von Major Jacubenz

92 Jacubenz. VII. Prag, den 26. Dezember 1806. Ich habe soeben Ihren gütigen Brief vom 5. d. Mts. nebst dem des Prinzen von Ligne erhalten und da gerade diesen Augenblick eine sichere Gelegenheit nach Wien geht, so benütze ich dieselbe um Sie nur mit wenig Worten von dem Empfang dieser Briefe zu benachrichtigen. Alles, was mir die Zeit erlaubt hinzuzusetzen, ist folgen­des: Ich sehe aus Ihrem Briefe, was mir, leider, seit einigen Wochen unzählige Symptome deutlich genug kund thaten, daß es in Wien keineswegs so geht, als ich es wünschte. Kein Zweifel an dem guten Willen des Kaisers und Stadions; aber der Kaiser allein nimmt nichts auf sich u. St a d i o n hat Mühe genug, sich zu behaupten, wird sich auf die Länge wahrscheinlich nicht behaupten und bann also nichts wagen. Der Erzherzog ist ungefähr derselbe wie sonst, General Gr.1) hat seine Partei genommen und lässt nichts aufkommen, was in seinen Kram nicht taugt. Ich halte ihn für weit gefähr­licher als Du ca2), weil er ungleich mehr Verstand und Fähigkeiten besitzt. Die Übrigen zählen nicht. Die nahe oder schon ausgeführte Sendung V i n c e n t’s (über die ich nun auch meine eigene Meinung habe) ins französische Hauptquartier, die Unterhandlungen Montesquiou’s3) in Wien, der, wie es scheint, nicht günstige Erfolg der Sendung Pozzos4) *) *) Graf G r ü n n e. s) Peter Freiherr vonDuka geboren 1756, .diente seit 1776 in der kaiserlichen Armee und zeichnete sich, in den Kriegen gegen die Türkei und Frankreich meist als Generalquartiermeister verwendet, wiederholt aus. Schon als Oberstleutnant wurde er 1794 Ritter des Maria Theresien-Ordens, avancierte 1800 zum Generalmajor und 1801 zum Feldmarschalleutnant: als solchen setzte ihn Erzherzog K a r 1 zum Chef des Generalquartiermeisterstabes ein. Von diesem Dienstposten 1805 durch Mack verdrängt, übernahm er das Generalkommando im Banat, welches er bis zu seinem Tode im Jahre 1822 beibehielt. Die Befreiungskriege machte er im Hoflager des Kaisers mit, der ihn zu verschiedenen Missionen verwendete. 3) Vermutlich Franpois Montesquiou-Fezensac, der nach­malige französische Minister des Innern. *) Pozzo di Borgo, ein gebürtiger Korse und leidenschaft­licher Gegner N apoleons, war Staatsrat in russischen Diensten;

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