Mitteilungen des k.u.k. Kriegs-Archivs 7. (Dritte Folge, 1911)

Gentz und Fasbender. Ungedruckte Briefe aus der Zeit von 1802 bis 1808. Mitgeteilt von Major Jacubenz

Gentz und Fasbender. G9 die höchsten Sphären hinaufreichte, auch nicht besonders fest'). Viel mag dazu der Umstand beigetragen haben, daß er die österreichischen Verhältnisse nicht genügend kannte; aber man machte ihm auch vieles andere zum Vorwurf. Es wurde ihm nachgesagt, „daß er eitel, prahlerisch und rücksichtslos sei; daß er seine reichen Fähigkeiten, statt sie im Dienste des Staates zu verwenden, in Intrigen erschöpfe”2). Auch soll er gegenüber fremden Diplomaten Indiskretionen über Staatsgeheimnisse verschuldet haben, wofür jedoch trotz Interzepten und Berichten der Geheimpolizei, keine be­stimmten Beweise erbracht werden konnten. Immerhin wußte man selbst den Kaiser gegen ihn einzuuehmen, der nun in den Erzherzog Karl drang, Fas ben der, unter Zu­sicherung eines ehrenvollen Rücktritts, von seinem Dienst­posten zu entfernen. Da auch die Stellung des Erzherzogs damals erschüttert und noch immer den versteckten Angriffen aus der Umgebung des Kaisers und der Staatskanzlei ausgesetzt war, so ist es begreiflich, daß er, angesichts der gegen Fasbender er­hobenen Beschuldigungen, sich dem Verlangen des Kaisers fügen mußte. Fasbender wurde sonach 1805 des Dienstes enthoben und erhielt als Merkmal kaiserlicher Gnade den Titel eines Geheimen Rates. Aus dem Inhalte der Gentzschen Briefe kann aber ge­schlossen werden, daß Fasbender auch außerhalb der Aktivität noch Beziehungen zu einzelnen offiziellen Personen unterhielt, vielleicht auch mit der Zeit auf eine Wiederver­wendung im Staatsdienste hoffte. Diese Hoffnung war begründet und wäre auch beinahe in Erfüllung gegangen, denn er wurde vor Beginn des Krieges 1809 tatsächlich zum Generalintendanten bei der Armee im *) *) Gentz sagt darüber in seinen Tagebüchern von 1803, daß Fas bender „damals eine große Rolle in Wien spielte, ob er gleich im Grunde auf einem sehr gebrechlichen Fußgestell stand”. s) Siehe Fourniert, Gentz und Cobenzl, 111, 156, 157 und Wertheimer, Die Politik Österreichs und Ungarns im ersten Jahrzehnt des 19. Jahrhunderts, I, 236, 237.

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