Mitteilungen des k.u.k. Kriegs-Archivs 7. (Dritte Folge, 1911)

Die Division Jellačić im Mai 1809. Quellenkritische Studie von Hauptmann des Generalstabskorps Wilhelm Wachtel

206 W a c h t. e 1. Aus dieser Besorgnis erwuchs ihm zunächst angesichts des noch immer nicht vorgehenden feindlichen Gros der Ge­danke, bis zum Einbruch der Dämmerung stehen zu bleiben, um erst unter deren Schutze die Stellung zu räumen. Allein das Einrücken immer weiterer Verstärkungen beim Gegner sowie dessen Vorgehen gegen beide Flügel scheint Jellacic bald zur Erkenntnis der Fragwürdigkeit eines so langen Ausharrens gebracht zu haben. Er beschloß daher, den Rückzug mit dem von der St. Michaeler Brücke entferntesten Teile, d. i. dem rechten Flügel, zu beginnen. Selbst um bis zu dessen Zurückgehen standhalten zu können, glaubte er aber nun im Zentrum, wo die bisherige Reserve schon in vorderste Linie gezogen worden sein dürfte, auch noch die eingetroffene Nachhut aufstellen zu müssen. Die Bataillone des Zentrums und des linken Flügels formierten jetzt eine einzige Linie1). Mit der letzten noch in Reserve zurückgehaltenen Kompagnie schickte Jellacic den GM. Ettinghausen zurück, um sie auf dem Rücken am Eingang desDefilés knapp östlich St. Michael aufzustellen2). Zweimal hatte bereits Jellacic dem rechten Flügel am Fresenberg den Befehl zum Rückzug geschickt, ver­gebens aber wartete er noch immer auf dessen Durchführung. Die Gruppe, seit Stunden in einen hartnäckigen Waldkampf3) mit einem schließlich sehr überlegenen Gegner verwickelt, konnte diesem Befehl nicht mehr Folge leisten4). ') Dies geht aus Ettinghausens Schilderung und aus dem raschen Erfolg des französischen Angriffes hervor, dem eben keine Reserven entgegengestellt werden konnten. Die Angaben der französi­schen Quellen, daß die Österreicher in zwei Linien standen (Eugen an Napoleon, St. Michael, 25. Mai 1809, in du C a s s e, Y, 229; d u Casse, V, 126; Vaudoncourt, I, 305; Vignolle, IV, 1372), können sich nur auf deren Stellung gegen Mittag nicht aber auf jene im Augenblick des Entscheidungsaktes beziehen. 2) Gleich nach Besetzung des Rideaus hatte Jellacic den GM. Ettinghausen beauftragt, das Gelände im Rücken der Stellung zu erkunden. Ettinghausen hatte danach das Mißliche des Rückzuges über die einzige Liesingbrücke gemeldet und Jellacic mehrmals gebeten, wenigstens den Rücken westlich St. Michael zur Sicherung des Rück­zuges besetzen zu lassen, bis J e 11 a c i c schließlich zustimmte. s) Vaudoncourt, I, 308; vergl. Seite 200, Anmerkung 4. 4) V e 11 z é, Kriegsbilder, 46.

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