Mitteilungen des k.u.k. Kriegs-Archivs 7. (Dritte Folge, 1911)
Die Division Jellačić im Mai 1809. Quellenkritische Studie von Hauptmann des Generalstabskorps Wilhelm Wachtel
198 Wachtel. Gefecht bei St. Michael am 25. Mai'). Bei St. Michael mündet das Liesingtal, durch welches die Division Jellacic anrückte, in das Murtal, die Marschlinie der italienischen Armee. Etwa IV2 hm westlich St. Michael nähert sich die Mur den südlichen Talbegleitungshängen auf wenige hundert Meter, um bei der Brücke südwestlich dieses Ortes unmittelbar an sie hinanzutreten. Nördlich der Mur bleibt hier zwischen ihr und den Bergfüßen eine ungefähr 1200 m breite Talsohle. Quer über diese läuft von Brunn an ein über 10 m hohes Bideau etwa 800 m westlich und parallel zur Liesing bis an die Mur, dann flußabwärts bis zur Mündung der Liesing, wo es in den rechten Uferrand dieses Baches übergeht. Bideau und Uferrand schließen eine die Murtalsohle überhöhende Platte von etwa einem Kilometer im Geviert ein. Dieses Bideau bildet zwischen Brunn und der Mur eine günstige Verteidigungslinie, Front gegen die französische Anmarschrichtung2). Die Behauptung der durch das Bideau begrenzten Platte bedingte jedoch eine Verteidigung des im Norden bei Brunn heranreichenden letzten Ausläufers der Bottenmanner Tauern, des Eresenberges3), dessen Waldbedeckung jedoch hiefür ungünstig war. Besonders unvorteilhaft waren die Verhältnisse für einen Bückzug aus der Stellung westlich St. Michael gegen Leoben. Die hinter der Stellung fließende Liesing, in ihrem letzten Teile tief eingeschnitten, machte am Kampftag den Eindruck der Unfurtbarkeit4). Für ihre Überschreitung kam nur die eine Brücke in St. Michael in BetrachtB). x) Hiezu Beilage 8. s) Übel- dieses Bideau schreibt Eugen an Napoleon, St. Michael, 25. Mai 1809 (du C a s s e, V, 229): „Le plateau occupé par l’ennemi était d’un accés difficile partout ailleurs que par la grande route.” 3) Die bisherige (teländeschilderung fußt auf der „Beschreibung der Stellung von St. Michael” aus den 1806 bis 1811.vom österreichischen Generalquartiermeisterstab verfaßten Landesbeschreibungselaboraten (K. A., Kartenabteilung, K, VH b, 112). 4) Ettinghausen sagt, daß sieunfurtbarwar (Kwiedineck, St. Michael, 31), Vaudoncourt, I, 305, das Gegenteil. 6) Das Vorhandensein der nach der Skizze beim Orte Liesing befindlichen Brücke scheint nicht bemerkt worden zu sein.