Mitteilungen des k.u.k. Kriegs-Archivs 7. (Dritte Folge, 1911)
Die Division Jellačić im Mai 1809. Quellenkritische Studie von Hauptmann des Generalstabskorps Wilhelm Wachtel
Die Division Jellacic im Mai 1809. 189 Nach dem Gefecht bei Tarvis J) am 17. Mai war die italienische Armee des Vizekönigs Eugen Beauharnais dem Gros der innerösterreichischen Armee unter Erzherzog Johann nur bis Klagenfurt gefolgt. Von hier aus hatte der Vizekönig mit seiner Hauptkraft* 2) dem Befehl Napoleons3) gemäß den kürzesten Weg zur französischen Hauptarmee bei Wien über St. Veit, Unzmarkt, Bruck a. d. Mur eingeschlagen. An der Tete marschierte das Korps Grenier4). Die erste Abteilung der Division Jellacié, die mit diesem Gegner zusammenstoßen mußte, war das über den Rotten- manner Tauern entsendete 1. Judenburger Landwehrbataillon, das am 23. Mai Judenburg erreichte 5j. Kaum hatte es mit der Besetzung des Ortes begonnen, als . ein Aufklärungs- detachement anrückte, das von dem am Marsche von Friesach nach Judenburg befindlichen Korps Grenier vorausgeschickt worden war. Das Bataillon wies die vorgeschobene Kavallerie dieses Detachements zurück; als es jedoch Kunde von nachfolgender Infanterie erhielt, wich es6) zunächst nach Knittelfeld. Von hier aus erstattete es Jellacic Meldung 7), dann aber bog es aus Scheu vor der feindlichen Kavallerie von der Straße im Haupttal in die Berge und rückte über die Stubalpe nach Köflach, das es am 24. Mai erreichte 8). b Krieg 1809, II, 412—428. 2) Diese büdeten das aus den Infanteriedivisionen Durutte und Seras bestehende Korps Grenier, die Infanteriedivision Severoli (bis 21. Mai Fontanelli), die 1. Dragonerdivision und die italienische Garde. 3) Krieg 1809, II, 315. 4) Kriegsgliederung Anhang XXXI. 6) Bataillonskonnnandant Major Terner an den FZM. Kerpen im Wortlaut Anhang XXVIII. 6) Die Bemerkung in Leithner, Monographie über Judenburg (Verfasser war anscheinend 1809 dort Stadtpfarrer), 152, das Bataillon hätte 36 Stunden lang das Vorgehen des Gegners gehemmt (diese Behauptung hat auch Sallinger, Graz 1809, 65, übernommen), widerspricht den gewiß nicht im ungünstigen Sinne übertriebenen Angaben im Bericht des Bataillonskommandanten. 7) Vergl. Seite 194. 8) Bei diesem Bückzug desertierten 655 Mann, so daß nur 27 Offiziere und 380 Mann übrig blieben (Standestabelle des Bataillons für Mai 1809).