Mitteilungen des k.u.k. Kriegs-Archivs - Supplement. Erzherzog Johanns "Feldzugserzählung" 1809 (1909)
II. Kapitel. Von der Eröffnung des Feldzuges bis an den Tag bei Pordenone (1. bis 15. April)
58 durch das Fellatal nach Italien auszubrechen, allein die Nachrichten über die Bewegungen des Feindes und die Kenntnis dieser Gegenden machten ihn seinen Entschluß ändern. Wenn man der Straße durch das Kanaltal folgt, erreicht man bei Pontafel die Grenze Italiens. Von da bis Villanova ist das Fellatal schmal und felsig, die Straße und dieser Strom nehmen die Breite desselben ein; nur da, wo Seitengräben von Raccolano sich damit vereinigen, gibt es offene Plätze, auf welchen Dörfer liegen; die Straße wechselt öfters von einem Ufer zu dem anderen, da wo die größte Enge des Tales ist, unweit der Vereinigung mit dem Raccolanotal, liegt die alte Klause, von Stein gebaut, mit Toren versehen, ein sehr haltbarer Posten. Wenn die Brücken abgebrochen, dieser Engpaß verteidigt wird, läßt sich dieser Posten lang-e halten; nur durch Umgehung über die Gebirgssteige und vorzüglich durch jenen vom Raibler- see nach dem Raccolanotal kann man den Gegner zwingen, ihn zu verlassen. Allein mehrere Aufstellungen bieten sich dar, bis man das breite Tal des Tagliamento betritt, und dann selbst dort bei Venzone, jene des Comelico und des Bianco, endlich die große Stellung bei San Daniele, Majano, die Ledra und die Feste Osoppo vor der Front; in dieser kann ein Heer mit Vorteil schlagen und die Ebenen Italiens decken, unbesorgt für einen Rückzug im unglücklichen Falle. Diese Schwierigkeiten, die nur mit vielen Blutverlusten zu überwinden und wenn es dem Feinde ernst ist, den Boden streitig zu machen, bestimmten den Erzherzog von dieser Operationslinie abzugehen und eine bisher nie gebrauchte zu wählen, nämlich jene über den Predil und das Natisonetal nach Cividale. Sie ist die kürzeste und jene, wo weniger Schwierigkeiten entgegenstehen, auch war er überzeugt, der Feind werde ihn nie dort erwarten. Um diese Operation zu begünstigen und den Feind irre zu führen, mußte das auf dem Präwald stehende Korps offensiv operieren; ein gleiches, eine durch das Kanaltal, letztere sollte für die Avantgarde der Armee gehalten werden, und rasch auf den Feind fallen. Es wurde folgende Disposition entworfen: GM. Gavassini mit Reisky 3 Bataillone, Franz Karl 1 Bataillon, Görzer Landwehr 1 Bataillon,