Mitteilungen des k.u.k. Kriegs-Archivs - Supplement. Erzherzog Johanns "Feldzugserzählung" 1809 (1909)

I. Kapitel (Vorgeschichte des Krieges)

37 linken Flügel eine Operation gemacht werden, welche in Verbindung mit dem Donautale steht und auf dessen Be­hauptung einen wesentlichen Einfluß nehmen kann. Nur durch die Besetzung von Tirol kann das 8. und 9. Korps zu den entscheidenden Operationen mitwirken:), indem dadurch die Flanke des in Bayern stehenden Feindes bedroht, seine Kommunikation mit Italien unterbrochen, die linke Flanke der Hauptarmee gedeckt (die an der Donau stand!), die Möglichkeit verschafft wird, nach einem Sieg an der Donau, ungestört bis an den Rhein vorzudringen oder nach Umständen so viel Truppen zu detachieren, daß durch eine Vorrückung längs der Etsch in Italien Erobe­rungen gemacht oder wenigstens dem Feinde die Spitze geboten werde, wenn er mit seiner Hauptmacht von dort aus operieren wollte * 2).” „Operiert das 8. und 9. Korps in Italien ohne Rück­sicht auf Tirol, so läuft die Monarchie die größte Gefahr und dieser darf man sich in dem jetzigen Augenblick nicht aussetzen. (Die Gefahr entsteht nur durch die Ereignisse bei der Hauptarmee.) Der Feldzug in Deutschland wird zweifelsohne mit einer Schlacht in Bayern seinen Anfang nehmen. Davout wird indessen entweder gegen Eger oder gegen Regensburg Vordringen. Ist Mas sen a geschlagen, so wird man ihn zwar mit einem Teil der Truppen ver­folgen, mit dem Gros aber die Vereinigung mit Bellegarde suchen, um Davout anzugreifen, der sich indessen der *) Wenn die Hauptarmee am oberen Inn gestanden und von dort aus operiert hätte, konnte Tirol mitwirken und die Flanke sichern; es war die klügste Operation, da man jene aus Böhmen aufgegeben hatte, denn man konnte nicht von seiner Verbindung mit den Erbstaaten getrennt -werden und eine Flanken­stellung mit dem Rücken an das Gebirge deckte die Monarchie. Die Operation vom unteren Inn, die Mack einst vorgeschlagen, gegen die man so lange geeifert, wurde ausgeführt; es zeigte sich in der Folge, wie leicht der Feind die Kräfte trennen, die Armee an die Donau drücken und welcher Gefahr dieselbe dann ausgesetzt sei; wie dann, über den Fluß geworfen, sie die Monarchie nicht mehr decke und wie diese dieselbe auf einige Zeit lähme. 2) Der Feind wird indes in Italien nichts tun, die Pässe von Kärnten nicht zu forcieren suchen und gelingt es ihm — wohin? — da die Substistenz- linie jeder Verbindung mit dem Innern benommen wird! Geschieht ein Unglück in Deutschland, was dann? Endlich zeiget es sich hier, das Schwankende, daß man nicht wußte, woher eigentlich Napoleon komme.

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