Mitteilungen des k.u.k. Kriegs-Archivs - Supplement. Erzherzog Johanns "Feldzugserzählung" 1809 (1909)
I. Kapitel (Vorgeschichte des Krieges)
23 verborgen werden; leider hatte man so lange gezögert und eine kostbare Zeit durch das ewig Schwankende in den Entschlüssen verloren. Am 25. Januar war die Umwälzung der Staatsverwaltung in Schweden geschehen, den 7. Hornung der Friede zwischen England, nicht ohne Mitwirkung Österreichs geschlossen worden. Die im Lande zurückbleibenden Generale, die Landwehrbrigadiere und mangelnden Bataillonskommandanten wurden benannt, die Musterung der Landwehr auf den 1. März bestimmt, 4 Bataillone innerösterreichische Freiwillige zu errichten angefangen. Am 15. reichte der Erzherzog die notwendigen Bedürfnisse zur Ausrüstung der Landwehr, zugleich seine Gedanken über jene Operationen, die er auszuführen hatte, ein1). Am nämlichen Tage erschien der Tagesbefehl des Generalissimus, daß die Armee vom 1. März an auf den Kriegsfuß gesetzt sei, am 15. die Verordnungen wegen der Bagage, ferner wegen dem Einrücken der Reservemannschaft. J) Es hieß darin: Vermutlich würden die Operationen mit der Offensive eröffnet werden, Italien ist der Zweck, der mir vorgesetzt ist, Tirol hängt damit zusammen ; wohin die ersten Schläge werden geschehen müssen, ob nach Tirol oder Italien, wird die Stellung der feindlichen Hauptstärke bestimmen, denn dieser zuerst entgegenzutreten, um durch eine ihr beigebrachte Schlappe sich den "Weg zu bahnen, ist notwendig. Es scheint, daß der Feind in Dalmatien bloß Besatzungen in den Festungen zurücklasse, die übrigen Streitkräfte nach Italien ziehe, daß selbst Murat aus Neapel die größte Zahl seiner Truppen nach Oberitalien bringen wird, richtig voraussehend, daß das Schicksal Neapels nur dort behauptet werden könne. Folglich wird unsererseits ein Streifkorps, so schwach wie möglich, hinlänglich für Dalmatien sein, um die Bewohner zum Aufstande zu bewegen und durch die Zeit die festen Plätze daselbst zu bezwingen. Die Landwehr des Adelsberger Kreises, vereint mit den Triestinern und unterstützt von wenig Truppen, wird Istrien reinigen, den Karst besetzt halten und den Isonzo beobachten können. In Kärnten werden die Streitkräfte sich sammeln, gleich fähig nach Tirol, durch das Drau- und Gailtal oder nach Italien durch die Pontebba und den Predil und den Pässen des Canale auszubrechen, je nachdem des Feindes Kraft in einem oder dem anderen dieser Länder steht. Die Gegend von Villach, Klagenfurt, St. Veit ist als Sammelplatz anzusehen. Wohin soll nun die erste Unternehmung zielen, was soll ausgeführt werden ? Obgleich nicht genug unterrichtet, glaube ich, in wenig Worten vielleicht das rechte getroffen zu haben. Den Feind schlagen, das Venetianische und Tirol räumen, bis an die Etsch Vorgehen, Südtirol halten, die Straße des Brenners öffnen und sichern. Was dann zu geschehen hat, ist bis dahin lang noch Zeit zu bestimmen.