Mitteilungen des k.u.k. Kriegs-Archivs - Supplement. Erzherzog Johanns "Feldzugserzählung" 1809 (1909)

IV. Kapitel. Von dem Rückzuge von der Etsch bis zu der Ankunft bei Körmend vom 1. Mai bis 1. Juni

IV. Kapitel. Von dem Rückzuge von der Etsch bis zu der An­kunft bei Körmend vom 1. Mai bis I. Juni. Obgleich bisher eine Reihe glücklicher Ereignisse die Unternehmungen des Heeres gekrönt hatte und die Fort­dauer davon sich von der Stimmung und dem Mute ver­sprechen ließ, der dasselbe beseelte, so beschloß doch der Erzherzog den Rückzug. Die Erwägung der Lage des Ganzen, der ihm und dem Feinde zu Gebote stehenden Kräfte und Mittel, ein Blick in die Zukunft, welche Ereignisse erfolgen und wann diese möglich sein könnten, die Kenntnisse der Triebfedern, die das Ganze leiteten, konnten ihn allein dazu bewegen. Dieser Gegenstand ist viel zu wichtig, um ihn nur obenhin zu berichten; es ist daher notwendig, ihn er­schöpfend zu behandeln. Wie beide Heere sich im Ange­sichte standen, welche Posten sie innehatten und welche Abteilungen getrennt standen, zeigte ich am Schlüsse des vorigen Kapitels. Das österreichische Heer hatte, seit der Eröffnung der Feindseligkeiten bloß auf seine damalige Stärke beschränkt, in den Gefechten einen namhaften Verlust erlitten; Ergän­zungen oder Verstärkungen aus den rückwärtigen Erblanden waren nicht eingelangt, auch nicht so bald zu erwarten. Die Stärke des an der Etsch stehenden Heeres war bei 22.000 Mann und unter diesen dritthalbtausend Reiter; mitgerechnet die regulierten Truppen, welche vor Venedig standen. Der Feind hatte zwar bisher stets den kürzeren gezogen, an Toten, Verwundeten und Gefangenen viel eingebüßt, doch

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