Mitteilungen des k.u.k. Kriegs-Archivs 6. (Dritte Folge, 1909)

Briefe des Feldzeugmeisters Paul Freiherrn Kray de Krajova et Topolya an seinen Bruder Alexander von Kray. Mitgeteilt und zu einer Lebensschilderung erweitert von Hauptmann Dr. Just - I. Abschnitt. Erziehung und militärische Laufbahn Krays bis zu seiner Anstellung in den Niederlanden 1793

Briefe des FZM. Paul Freiherrn Kray de Krajova. 79 die Nachricht, daß ein feindlicher Kurier vom Großwesir angekommen und die Bestätigung überbracht, daß die Pforte der Reichenbacher Friedenskonvention beigetreten und mit den Friedensvorschlägen vollständig zufrieden sei. Ich mußte alsogleich einen Kantonierungsplan für mein Korps ent­werfen, weilen in ein paar Tagen der Waffenstillstand publi­ziert wird. Ich behalte bis zum Schluß das hiesige Kommando an der Aluta und beziehe mein Quartier zu Slatina in der Walachei. Ich wünsche in Rücksicht der bei allen Korps überhandgenommenen Krankheiten sehnlichst den Frieden und das Ende unseres Elends, welches uns die überaus große Hitze und der Mangel an gutem Wasser und anderem Notwendigen verursacht. Der Prinz hat mir vorige Wochen einen neuen Beweis seiner Gnade dadurch gegeben, daß er ohne mein Wissen meinen Sohn Franz, Leutnant bei Orosz, zum Oberleutnant im 1. walachischen Regiment unter sehr gnädigst und für mich schmeichelhaften Ausdrücken avanciert hat. Dieses war auch das letzte Avancement hier bei der Armee, weil das Verbot zu Chargenersetzungen schon hier war. Meinen Sohn Hanserl lasse ich auf 14 Tage aus Siebenbürgen anhero kommen, um ihn einmal nach acht Jahren zu sehen. Man lobt sehr sein gutes und bescheidenes Betragen, sowie auch seine Dienstesapplikation. Liebster Bruder! Es schmerzt mich, daß unsere Lands­leute so dumm und sträflich gegen den König sich betragen, der ihnen alles vorige Übel abgelenkt und die Freiheiten wiederum zurückgegeben und gesichert hat. Damals im Übel bückten sie sich kriechend und nun sind sie undankbar hochmütig bis zur Narrheit. Es ist ganz richtig, daß die ungarischen Regimenter wie ehedem aus dem Lande disloziert werden sollen. Splényi und Orosz sind nach Italien bestimmt, die übrigen vermutlich nach Böhmen. Wenn ich jünger wäre, so zöge ich gleich mit nach Italien, aber mit grauen Haaren macht man allda oft eine lächerliche Figur. Wer weiß, wohin mich das Schicksal führt. Vielleicht nimmt mich Prinz Koburg nach Ungarn, wo er Komman­dierender wird. Jetzt bliebe ich noch gern ein Jahr in Sieben­bürgen, doch bin ich mit allem zufrieden.

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