Mitteilungen des k.u.k. Kriegs-Archivs 6. (Dritte Folge, 1909)

Briefe des Feldzeugmeisters Paul Freiherrn Kray de Krajova et Topolya an seinen Bruder Alexander von Kray. Mitgeteilt und zu einer Lebensschilderung erweitert von Hauptmann Dr. Just - I. Abschnitt. Erziehung und militärische Laufbahn Krays bis zu seiner Anstellung in den Niederlanden 1793

68 J II S t. Unser alter FM. Loudon wußte aber von meiner Vor­rückung, weil er nur auf 12 Meilen von mir Orsova mit Bombardement ängstigte und schon gegen mein Detachement auf drei Stationen vorpoussierte. General Staader erhielt also Order, mir gleich Soutien zu schicken, um womöglich, noch heuer die ganze Walachei zu besetzen. Ich mußte also gleich wieder um den 4. hujus mit 2 Bataillons und 3 Eskadrons Husaren abermals gegen Craiova vorrücken1) und war auch so glücklich, den allda aus 1600 Mann bestandenen Feind wegzu­drücken. Ehre genug für mich, den Hauptort und zugleich meinen Namensort Craiova in Besitz genommen und den Feind vertrieben zu haben* 2). Unterwegs zwei Märsche von hier wollten mir 400 Türken an der Tavarer Brucken den Übergang des Schylflusses streitig machen. Ich unterstützte meine Avantgarde mit der ganzen Kavallerie, so aus 300 Husaren in allem bestand, und repoussierte den Feind mit Verlust. Es wurde mir aber der Husarenrittmeister Maurer nebst 2 Husaren erschossen. Ich setzte also meinen Marsch fort und treffe den folgen­den Tag abermalen an einem Defile ein feindliches Kommando an, wovon ich 2 gefangen nahm und 5 in den Schylfluß sprengte. Den vorletzten Tag wartete abermalen ein starkes Kom­mando, welches ich in den Fluß jagte und 5 Tote und 3 Ge­fangene machte. Der Alarm rannte bis Craiova und der Pascha entfloh noch die nämliche Nacht. Ich marschierte mit meinen zwei Karrees, die Kavallerie in der Mitte und die Volontärs vor- und rückwärts, in Schlachtordnung, um den Feind, wo er wäre, anzugreifen, aber er wartete meiner nicht und so zog ich zurück über die Schylbrucken auf die Anhöhen. Bei meiner Annäherung kamen mir alle Inwohner mit ängstlichem Geschrei entgegen, der Feind habe schon abermal den Schyl repassiert, um wiederum die Stadt zu besetzen und vielleicht zu verheeren. Ich breitete mich in ein Karree ') K. A., F. A. 1789, Korps in Siebenbürgen, XI. ad 4. 2) Prinz Koburg hatte am 3. November Hohenlohe dringend geraten, Craiova in Besitz zu nehmen, weil dadurch die „Oberherrschaft der österreichischen Walachei dezidiert würde.” (K. A., F. A. 1789, Korps in Siebenbürgen, XI, 1.)

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