Mitteilungen des k.u.k. Kriegs-Archivs 6. (Dritte Folge, 1909)
Briefe des Feldzeugmeisters Paul Freiherrn Kray de Krajova et Topolya an seinen Bruder Alexander von Kray. Mitgeteilt und zu einer Lebensschilderung erweitert von Hauptmann Dr. Just - I. Abschnitt. Erziehung und militärische Laufbahn Krays bis zu seiner Anstellung in den Niederlanden 1793
Briefe des FZM. Paul Freiherrn Kray de Krajova. 61 Der Feind verstärkte sich jenseits der Grenzen bei Tirguschyl und bedrohete mich mit einem Einfall, auf welches der General mir gegen Ende Mai das Splényische Regiment, so ohnehin unter meine Brigade gehört, zur Verstärkung nachsandte, bald darauf auch für seine Person nebst zwei Divisionen Savoyen-Dragoner anhero rückte und Bel- giojoso und eine Division Husaren zurück bei Baar im Lager ließ. Seithero hat der Feind keine Bewegung mehr gemacht und wir streiten bis nun nur mit der üblen Witterung in diesen sehr rauhen Gebirgen. Schade, daß eine so beträchtliche Truppe hier untätig bleiben muß. Vielleicht hängt unser Schicksal von jenem der großen Armee ab, welche sich im Banat versammelt und Miene gegen Mehadia macht, wozu schon ein ansehuliches Korps bei Karansebes gelagert und dessen Avantgarde bei Mehadia unter dem General Baron Vécsey ausgestellt steht. Ich weiß nicht, ob ich Dir geschrieben, daß ich einen heimlichen Ritt nach Karansebes und bis Illova in unser und das feindliche Lager gemacht und alle Positionen und Bewegungen gesehen und beurteilt, sodann aber einen Sprung bis Lugos zum General Wartensleben machte, welcher meine Bemühungen sehr benehmigte. Mein Kommandierender kam bald darauf anhero, meine Vorpost zu visitieren und war sehr zufrieden, daß ich ihm auch diese Gegenstände zu explizieren wußte. Wir haben alle Ursach, mit diesem unseren Chef vollkommen zufrieden zu sein, denn er ist ein würdiger Held, von dem wir alles Gute hoffen können. An hiesiger Siebenbürger Grenze wagte der Feind schon zwei Angriffe, wurde aber beide Male repoussiert. In letzterer bei Küneni an der Lotra war der arme Franzei stark ’im Gedräng und, da sich seine Mannschaft schon verschossen hatte und ihr die Retraite verhindert war, mußte er sich über den Lotrafluß durch Schwimmen retten und kam nur mit 30 Mann von seiner halben Kompagnie, womit er detachiert war, davon, weswegen ihn der General belobt und ihn auch gleich zum Avancement empfohlen. Ganz Hermannstadt hat sich über seine glückliche Rettung gefreut, weilen er sich den vorigen Winter bei der ganzen Noblesse beliebt machte. Der Tonerl heißt ihn jetzt den Wasserhelden.