Mitteilungen des k.u.k. Kriegs-Archivs 6. (Dritte Folge, 1909)

Major Czeike: Die Cernierung und Erstürmung Wiens im Oktober 1848

336 C z e i k e. Eine der Haupttriebfedern, welche die Aufständischen stets zu neuem Widerstand anspornte, bildete deren Hoffnung auf die zugesagte, nahe Hilfe der Ungarn. Der Banus von Kroatien, FML. Baron Jellacic, hatte mit ungefähr 40.000 Kroaten und Slavoniern auf eigene Ge­fahr den Kampf gegen Ungarn aufgenommen, sah sich aber nach dem Gefecht bei Pákozd genötigt, seine Truppen auf österreichisches Gebiet zu führen. Hier erhielt er am 7. Oktober abends die Nachricht von den Vorgängen am 6. Oktober in Wien und rückte nun in Gewaltmärschen vor die Residenz, wo er sich mit den Truppen Auerspergs ver­einigte. EML. Moga, der Kommandant der ungarischen Armee, war dem Banus bis gegen die österreichische Grenze gefolgt, blieb aber dort durch mehrere Tage untätig stehen und über­schritt erst am 21. Oktober die Leitha, an welchem Tage er die Vortruppen des GM. Ottinger zurückdrängte und die Ort­schaften Trautmannsdorf, Stixneusiedl, Arbesthal und Regels­brunn besetzte.1) Am 23. und 24. Oktober zog sich die ungarische Armee jedoch wieder hinter die Leitha zurück, hielt Bruck und Öden­burg stark besetzt und stand unter Moga bei Parendorf, wo sie Verstärkungen erwartete. In der Nacht vom 25. auf den 26. Oktober meldete GM. Ottinger, daß die feindlichen Vor­posten wieder gegen die Leitha vorgeschoben worden seien und die ungarische Armee den erneuerten Befehl zum Einfall in Österreich erhalten hätte. Infolgedessen nahm das I. Armeekorps, mit Ausnahme der zur Cernierung Wiens im Prater und an der St. Marxer Linie verwendeten Truppen, am 27. folgende Stellungen eina): Die Brigade GM. Karger mit der Korpsartilleriereserve in Simmering. Die Division Hartlieb, am östlichen Rande des Laaer- berges, mit 1 Brigade, GM. Dietrich, den Wiener Neustädter Kanal gegen Osten, mit der anderen Brigade, GM. Kräutner, *) *) Details siehe: Czeike, Aufmarsch der österreichischen Armee gegen die Revolution im Oktober 1848. (Mitteilungen des k. und k. Kriegsarchivs, Dritte Folge, IV. Bd., 275). a) K. A., Handschriftliche Elaborate, 40.

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