Mitteilungen des k.u.k. Kriegs-Archivs 6. (Dritte Folge, 1909)
Major Czeike: Die Cernierung und Erstürmung Wiens im Oktober 1848
322 C z e i k e. Auf die Mitteilung hievon beschloß FML. Ra mb erg, sich am 26. Oktober der Leopoldstadt zu bemächtigen, um den Truppen des "Banus die Hand zu reichen. Zu diesem Zwecke entsandte er am frühen Morgen dieses Tages den Oberstleutnant von Dreihann1) zum GM. Wyss und forderte letzteren schriftlich auf, mit seiner zwölfpfündigen Positionsbatterie sobald als möglich gegen die beiden Brücken über das Kaiserwasser aufzufahren, die beiden Dämme nördlich der Taborlinie sowie die dortigen massiven Gebäude unter Feuer zu nehmen, die Insurgenten aus diesen Gebäuden und dem Nordbahnhof zu vertreiben und auf diese Weise seine Vorrückung zu unterstützen2). Bei Anbruch des Tages zeigte es sich jedoch, daß die Insurgenten alle diese Objekte verlassen hatten. Die Truppen Rambergs bemächtigten sich nun alsogleich kampflos des übrigen Teiles des Augartens und besetzten denselben, während GM. Wyss 'das Kaiserwasser, mit der Infanterie auf einer in der Eile hergerichteten Notbrücke, mit der Kavallerie und Artillerie durch eine Furt unterhalb der Eisenbahnbrücke übersetzte und rasch bis zur Taborlinie vorrückte. Auf dem Wege dahin wurde die nördlich der Taborlinie gelegene Speckersche Fabrik, aus welcher die vorgehenden Truppen lebhaft beschossen wurden, erstürmt, wobei dieses Gebäude in Flammen aufging. 2 Kompagnien Schönhals und 1 Kompagnie Fürstenwärther drangen nun gegen den Nordbahnhof vor und nahmen denselben in Besitz. Gegen 10 Uhr vormittags war dieser Teil der Leopoldstadt bis zum Ausgang der Fuhrmanns- und Stadtgutgasse von den kaiserlichen Truppen genommen. Die Barrikaden der Insurgenten, welche die Jägerzeile und die Taborstraße sperrten, waren kunstgerecht aus Pflastersteinen erbaut, teilweise mit Schießscharten versehen und mit zahlreichen Geschützen armiert. Aus diesen Barrikaden unterhielten die Aufständischen ein wohlgenährtes und bei ihrer gesicherten Stellung gut gezieltes Feuer gegen die kaiserlichen Truppen. GM. Wyss ließ daher diese Verschanzungen durch ') Erhielt die Allerhöchste Belobung. (K. A., Belohnungsanträge 1818, 2.) 2) K. A., F. A. 1848, Cernierung Wiens, X, 137, 262. A. *