Mitteilungen des k.u.k. Kriegs-Archivs 6. (Dritte Folge, 1909)
Major Czeike: Die Cernierung und Erstürmung Wiens im Oktober 1848
310 C z e i k o. In dem Gewirre von Häusern, Hecken und Gärten hatten die kaiserlichen Truppen im Gefecht fast gar keine Vorteile gegenüber den mit den Örtlichkeiten vollkommen vertrauten Aufständischen und die Lage Hambergs gestaltete sich insoferne noch imgünstiger, als die Insurgenten Herr der ganzen Brigittenau waren, aus welcher sie mittels bereitgestellter Schiffe jeden Augenblick den Donaukanal übersetzen konnten, um Hamberg in seiner linken Flanke anzugreifen. In der Brigittenau hielten die Insurgenten die strom- aufwärtige, ringsum eingedämmte Spitze derselben besetzt und hatten dort einige Geschütze aufgeführt. Aus dieser Aufstellung versuchten sie schon am 22. Oktober den Brückenschlag bei Klosterneuburg zu stören und gaben dieses Vorhaben erst nach einigen wohlangebraehten Schüssen einer bei Nußdorf aufgefahrenen Batterie Hambergs auf. Am 23. unterstützten sie durch ihr Feuer nicht nur den früher erwähnten Angriff bei der Nußdorfer Linie, sondern beschossen auch die Truppen des GM. Wyss am linken Donauufer, worauf dieser General mit dem Feuer seiner zur Sperrung der Donau in der Schwarzen Lackenau postierten zwölfpfün- digen Fußbatterie Nr. 1 antwortete und ihnen ansehnliche Verluste beibrachte. Um sich von dieser Seite Ruhe zu verschaffen und seine linke Flanke zu sichern, beschloß FML. Hamberg die Spitze der Brigittenau am 24. Oktober, falls er nicht von neuem von der Nußdorfer Linie mit ansehnlichen Kräften angegriffen würde, unter Mitwirkung des GM. Wyss selbst anzugreifen und die Insurgenten von dort zu vertreiben1). unternehmen und womöglich die bei Nußdort' geschlagene Pontonbrücke in Brand zu stecken. Das Nationalgardeoberkommando und der Gemeinderat verboten jedoch diese Unternehmung und zwischen den Mobilen und Nationalgarden entstanden Streitigkeiten, weil die einen dafür, die anderen dagegen waren, so daß sich Bern gezwungen sah, seinen Plan aufzugeben und mit seinen Mobilen gegen Morgen in das Belvedere zurückzumarschieren. (Details hierüber bei Helfert, I, 177.) *) Dieser Angriff scheint nach einer vom Oberstleutnant Lang des Generalquartiermeisterstabes an Bamberg gerichteten Zuschrift, in welcher er Bamberg von dieser Unternehmung förmlich abriet, im Hauptquartier nicht gebilligt worden zu sein. Der Grund ist aus dem betreffenden Akt nicht zu ersehen; wahrscheinlich war die Unterwerfungsfrist hiefür maßgebend. (K. A., F. A. 1848, Korps Jellació, X, ad 210.)