Mitteilungen des k.u.k. Kriegs-Archivs 6. (Dritte Folge, 1909)
Major Czeike: Die Cernierung und Erstürmung Wiens im Oktober 1848
314 C z e i k e. um dem nutzlosen und kräfteraubenden Geplänkel während der Unterwerfnngsfrist ein Ende zu machen 1). Mit Befehlsohreiben vom 25. Oktober war daher den Divisions- und Brigadekommandos zur Pflicht gemacht worden, die National- und Mobilgarden vorerst aufzufordern, sich hinter die Linienwälle zurückzuziehen, im Weigerungsfälle aber mit dem Angriff der kaiserlichen Truppen zu drohen. Dieser Aufforderung wurde jedoch von Seite der Insurgenten an mehreren Linien Wiens nicht Folge geleistet; es fänden daher aus diesem Grunde und weil die Aufständischen die Feindseligkeiten stets von neuem eröffneten, zwischen denselben und den kaiserlichen Cernierungstruppen in der Zeit bis zum 28. Oktober, dem Tage des allgemeinen Angriffes auf Wien, eine Reihe mehr oder weniger heftiger Kämpfe statt, die nachstehend zur Darstellung gelangen. Die ersten größeren Zusammenstöße ereigneten sich schon am 23. Oktober vor der Nußdorfer Linie zwischen den Insurgenten und den Truppen der Division Ramberg. FML. Freiherr von Ramberg war mit seiner Division, bestehend aus den Brigaden GM. von Parrot und Oberst Freiherr von Simbschen, am 19. Oktober von Krems gegen Wien aufgebrochen und hatte am 21. abends seinen Aufmarsch auf dem rechten Donauufer vor Wien vollzogen. Seine Truppen cemierten am 23. Oktober die Hauptstadt in der Ausdehnung vom Donaukanal bei Döbling über Gersthof und Dornbach bis nach Ottakring. ') Vom Armeeoberkommando erging an alle höheren Kommandanten der Befehl, ihre Truppen so nahe als möglich an die Linienwälle vorzuschieben, jedoch außerhalb des feindlichen Geschützbereiches aufzustellen, jeden Konflikt mit den Insurgenten zu vermeiden und deren Plänkeleien und Kanonaden, wenn es nicht die äußerste Notwendigkeit zur Erhaltung der Stellung erheische, nicht zu erwidern. Bei einem sich notwendigerweise ergebenden Angriff der Cernierungstruppen sollte von der Überlegenheit der eigenen Artillerie der entscheidende Vorteil gezogen werden; diese war dann auf die wirksamste Distanz in überlegener Zahl vorzuziehen, der Gegner mit einem Hagel von Kartätschen zu überschütten und unmittelbar darauf der Bajonettangriff mit aller Kraft durchzuführen. (K. A., F. A. 1848, Cernierung Wiens, X, 205.)