Mitteilungen des k.u.k. Kriegs-Archivs 6. (Dritte Folge, 1909)

Briefe des Feldzeugmeisters Paul Freiherrn Kray de Krajova et Topolya an seinen Bruder Alexander von Kray. Mitgeteilt und zu einer Lebensschilderung erweitert von Hauptmann Dr. Just - V. Abschnitt. Letzte Lebensjahre

Schlußwort. Wie ein Bildnis sich von einem satten, warmen Grunde stärker abhebt, so setzt die Würdigung eines Feldherrn auch die Schilderung seiner geistigen und körperlichen Eigenschaften voraus. Kray war von mittlerer Größe und schwächlichem Körperbau. Sein freundliches Antlitz mit rötlichen Wangen und starker Habichtsnase ward verschönt durch blaue Augen, die von Kühnheit blitzten und doch tiefe Herzensgute ver­rieten. Bescheiden und anspruchslos, war er ein Feind von jedem Gepränge. Eitelkeit lag ihm ferne und selbst die größten Erfolge späterer Jahre vermochten nicht, sein schlichtes Wesen, welches von einem innigen religiösen Gefühl getragen war, zu ändern. Wie er sein Aufsteigen nicht seiner Kraft und Fähigkeit allein, sondern voll tiefer Dankbarkeit Gottes Füh­rung zuschrieb, so ertrug er auch seinen jähen Sturz in un- verbitterter Seelenruhe. Er suchte und fand das Glück im Schoße der Familie, im Kreise seiner Freunde. Für sie hatte er sein ganzes Leben über ein warmes, fühlendes Herz1). Hilfe *) *) Hievon gibt am besten ein aus Mantua vom 23. Februar 1768 an seinen Bruder Alexander gerichtetes Schreiben Zeugnis, in welchem er demselben zur Erlangung der Offizierscharge gratuliert und Rat­schläge für die Zukunft erteilt, wie sie schöner und wärmer auch das Herz eines Vaters nicht diktieren könnte. Der Brief lautet auszugs­weise: „Ich habe mit vielem Vergnügen Deine Fürstellung vernommen und gratuliere Dir vom Herzen hiezu. Nun ist endlich Dein Verlangen erreichet und Du bist Offizier. Du weißt, wie schwer man in jetzigen Zeiten dazu gelangen kann, mithin sei also doppelt besorgt, daß Du Dich also aufführest, damit man Dir nichts reprochieren könne. Vor allem trachte Dir die Liebe aller zu erwerben, da man nicht weiß, wo man gute Freunde nötig oder wo sie einem schaden können. Lasse

Next

/
Oldalképek
Tartalom