Mitteilungen des k.u.k. Kriegs-Archivs 6. (Dritte Folge, 1909)

Briefe des Feldzeugmeisters Paul Freiherrn Kray de Krajova et Topolya an seinen Bruder Alexander von Kray. Mitgeteilt und zu einer Lebensschilderung erweitert von Hauptmann Dr. Just - V. Abschnitt. Letzte Lebensjahre

300 J u s t. Ich embrassiere Dich herzlich und Dein aufrichtiger Bruder bin unverändert Paul Kray. Pest, den 5. Jänner 1803. Deine Hanni ist jetzt gesund und appliziert sich fleißig mit der Erlernung der Putzarbeit, der Sprachen und Musik und freut sich sehr auf Deine Ankunft, die Du nicht erst in Martio, sondern früher unternehmen solltest, damit auch ich von Deinem Hiersein mehr und länger profitieren könnte. Der Erzherzog Karl, kaiserliche Hoheit, haben mich um eine Abschrift meines Kriegsj oumals und mehrerer anderer Akten ersucht, welches ich ihm nicht versagen kann und jetzt durch einen Offizier überschreiben lasse, wobei manches daran noch abändere. Mein Filius kommt auch im Frühjahr anher, ist durch meine letzte Lektion ziemlich gedemütigt und wird mein jetziges Quartier beziehen, weil ich auf Georgi jenes nehme, wo einstens Bare ó wohnte. In Anhoffung des Vergnügens, Dich bald zu embras- sieren, bin ich Dein aufrichtiger Bruder Paul Kray. Pest, den 18. April 1803. Aus Deinem Schreiben vom 6. d. M. habe mit Ver­gnügen vernommen, daß Du Deine Reise ungeachtet der exekrablen Straßen dennoch glücklich überstanden und nebst der lieben Hanni gesund zu Hause angelangt seist. Die ersten Tage wird ihr alles fremd gegen die hiesige große Weit Vorkom­men, aber ich hoffe, daß das Glück, in der Nähe ihres Vaters zu sein und die Vaterlandsliebe ihr bald das glänzende Pest vergessen machen werden und sie die schönen Schneegebirge weit schöner finden wird als den hiesigen Sand und Staub, der uns schon zu inkommodieren anfangt. Ich embrassiere Dich nebst lieben Tochter herzlich und bin wie sonst Dein aufrichtiger Bruder Paul Kray.

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