Mitteilungen des k.u.k. Kriegs-Archivs 6. (Dritte Folge, 1909)
Briefe des Feldzeugmeisters Paul Freiherrn Kray de Krajova et Topolya an seinen Bruder Alexander von Kray. Mitgeteilt und zu einer Lebensschilderung erweitert von Hauptmann Dr. Just - V. Abschnitt. Letzte Lebensjahre
Briefe des FZM. Paul Freiherrn Kray de Krajova. 295 dienste wohl nichts Gutes mehr erwarten könne. Ich sagte femers : „Euer kaiserliche Hoheit haben sich selbst in mehreren Gelegenheiten überzeugt, mit wie rastlos und angestrengtem Diensteifer ich meine Pflichten erfüllte und weder Leben noch Gesundheit schonte.” Er bestätigte alles dieses, freilich mit einer Art von rück erinnernder Verlegenheit, die einem empfindsamen und redlichen Herzen oft viele Rührung kostet. Auch der Premierminister Kobenzl hat mich gestern mit ausgezeichneter Achtung empfangen und sagte, daß er wahres Vergnügen fühle, mich persönlich kennen zu lernen, weil ich ihm seinen Gesandtschaftposten in Rußland durch meine glücklichen Operations in Italien rühmlich und vergnügt machte und er wohl wisse, daß allein die nachherigen traurigen Operations allda und verlorne Schlacht bei Marengo mich in den meinigen am Rhein hinderten, was Gutes zu tun. Ich sagte darauf, daß ich stolz auf die Approbation eines so großen Ministers und nur bedauere, daß ich aus Mangel nötiger moyens dem Zutrauen meines Monarchen nicht entsprechen konnte. Mein Filius und seine Frau habe ich zwar gesund, aber seine Kinder alle mit Katarrh angetroffen, wovon auch vor drei Tagen das jüngste Mädel gestorben und gestern begraben worden ist, welches uns in viel Betrübnis versetzt hat. Mein Sohn figuriert schon im neuen ungarischen Kostüm und fängt an, Vergnügen an der ungarischen Landeskonstitution zu finden. Nun sieht er ein, wie notwendig es ist, die Landessprache zu wissen. Es scheint, daß der Landtag ganz gut und zur Zufriedenheit des Königs und der Stände wirke. Vielleicht erhalte ich die Bewilligung, nach dem Abgang des Hofes, den man zu Anfang Juni erwartet, mich nach Haus entfernen zu dürfen, wo ich alsdann einen Sprung nach Wien machen will, um meine und Deine Kommissionen zu vollziehen. Ich embrassiere Dich etc. und bin unverändert Dein aufrichtiger Bruder Paul Kray. Preßburg, den 5. Juli 1802. Dein Schreiben vom 21. elapsi habe ich richtig erhalten und daraus mit Vergnügen Dein Wohlsein und Teilnahme an