Mitteilungen des k.u.k. Kriegs-Archivs 6. (Dritte Folge, 1909)

Briefe des Feldzeugmeisters Paul Freiherrn Kray de Krajova et Topolya an seinen Bruder Alexander von Kray. Mitgeteilt und zu einer Lebensschilderung erweitert von Hauptmann Dr. Just - V. Abschnitt. Letzte Lebensjahre

Briefe des FZM. Paul Freiherrn Kray de Krajova. 291 Topolya, den 2ü. Oktober 1801. Da ich seit Deinem letzten Brief vom 12. September keine Nachricht von Dir mehr erhalten, so bin ich wegen Deiner und Deiner Gemahlin Gesundheit besorgt. Mein Filius ist seit drei Wochen hier bei mir in Topolya und macht sich mit der Ökonomie bekannt. Schade, daß wir so viel Regen und schlechtes Wetter haben, wodurch die Austretung der Früchte nicht nur sehr verzögert, sondern stark beschädigt wird. Das ungarische Generalkommando hat meinem Sohn den Urlaub glatt abgeschlagen. Ich habe meinem Obrist geschrieben, daß er in Italien durch das Regiment einen viermonatlichen Urlaub für ihn nehmen solle, bis wohin ich wegen dessen * Quittierung das Nötige einleiten will. Als ungarischer Magnat hat er genug Ansehen, da er mit der Zeit allen Anstand sich hiezu geben und durch die Landesrechte gestützt sein wird. Bis hier alles in Ordnung gebracht ist, lasse ihn in Preßburg, da seine Frau zu Ende November ihre Niederkunft erwartet. Ich embrassiere Dich etc. und bin wie sonst Dein auf­richtiger Bruder Paul Kray. Pest, den 17. Dezember 1801. Dein trostloser Brief wegen gefährlicher Krankheit Deiner guten Gemahlin hat mich um so mehr betroffen, als ich sie stets liebte und in allem Anbetracht schätze und durch ihr frühzeitiges Hinscheiden Deine traurige Lage wohl einsehe. Inzwischen, da wir alle früher oder später dazu bestimmt sind, so müssen wir uns geduldig den weisen Fügungen Gottes über­lassen und in allen unseren Unfällen Trost von ihm erwarten. Wenn dieser mein Brief sie noch am Leben antrifft, so embrassiere sie statt meiner und danke ihr für jetzige Er­innerung und jedesmalig bezeigte Freundschaft. Das, was Du wegen Deiner dasigen Wirtschaft im An­trag hast, ist wohl überlegt, nur wünschte ich, daß, wenn der traurige Fall Dich treffen sollte, Du, wann es möglich wäre, auf meine Unkosten anhero reisen mögest. Sollte jedoch die üble Witterung Deiner Gesundheit nachteilig sein, so mußt 19*

Next

/
Oldalképek
Tartalom