Mitteilungen des k.u.k. Kriegs-Archivs 6. (Dritte Folge, 1909)

Briefe des Feldzeugmeisters Paul Freiherrn Kray de Krajova et Topolya an seinen Bruder Alexander von Kray. Mitgeteilt und zu einer Lebensschilderung erweitert von Hauptmann Dr. Just - V. Abschnitt. Letzte Lebensjahre

Briefe des FZM. Paul Freiherrn Kray de Krajova. 289 meinen Sohn also erst zu Ende September bestellt habe, um mit mir alsdann anher zu reisen und sich über alles zu in­struieren. Das Komitat empfiehlt mir, einen jungen Andreas L ányi als Korporalen zu meinem Regiment zu übernehmen, weil er als solcher bei der Insurrektion stand. Bei jetziger Reduktion der Freikorps sind alle Regimenter mit Ober- und Unter­offiziers supernumerariis überhäuft. Es wäre folglich nur mög­lich, denselben, wenn er die nötigen Eigenschaften und zu­gleich Zubuß vom Haus hat, als Kadett zu übernehmen, welches ich dem Komitat antworte. Die jungen Leute wollen gemeiniglich Soldaten werden, um nicht studieren zu dürfen, wodurch sie sich selbst schaden. Deswegen hat Ungarn auch so wenig gelehrte und qualifizierte Offiziers aufzuweisen, woran die Eltern meist selbst Schuld sind. Ich embrassiere Dich etc. und bin Dein aufrichtiger Bruder Paul Kray. Topolya, den 2. September 1801. Ich danke Dir und Deiner Gemahlin für die überschickten Zipser Oblaten, welche wohl gut schmecken und mich an meine dasige Jugend erinnern. Wenn ich einmal hier was zu stände gebracht habe, dann werde ich Dich auch mit hiesigen Produkten bedienen. Dermalen bin ich noch immer mit Er­bauung meines Wohnhauses und eines Schüttkastens beschäftigt. Mein Filius ist wegen der voraussichtlichen Einteilung zu meinem Regiment qua talis beruhigt, weil ich selben auf einen sechsmonatlichen Urlaub verwies und ernsthaft sagte, daß ich ihm kein untätiges Leben gestatten und nie zugeben werde, daß er in einer großen Stadt sich bloß dem Wohl­leben ergebe, sondern verlange, sich auf hiesigem Gut der Ökonomie zu widmen. Briefe aus Wien besagen, daß der Erzherzog Karl zur Hälfte dieses Monates eine Reise nach Ungarn machen, und zwar in die Festungen Ofen, Peterwardein, Arad und Temesvár und den Weg durch Topolya nehmen, dann das Mezöhegyer Gestüt in Augenschein nehmen wolle. Diese Entrevue wäre 19 Mitteilungen des k. und k. Kriegsarchivs. Dritte Folge. VI. Bd.

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