Mitteilungen des k.u.k. Kriegs-Archivs 6. (Dritte Folge, 1909)
Briefe des Feldzeugmeisters Paul Freiherrn Kray de Krajova et Topolya an seinen Bruder Alexander von Kray. Mitgeteilt und zu einer Lebensschilderung erweitert von Hauptmann Dr. Just - V. Abschnitt. Letzte Lebensjahre
286 Just. nur, daß dieser Friede von Dauer sein möge, damit wir in Ruhe und ohne Bekümmernis die alten Tage beschließen könnten. Ich embrassiere Dich etc. und bin unverändert Dein treuer Bruder Paul Kray. Topolya, den 11. Mai 1801. Die Biographie, so man ohne mein Wissen im heurigen Winter in die Ofner Zeitung einrücken ließ, war weitschichtig, aber genug expressiv über manche Gegenstände, die mir selbst etwas zu gewagt für die Zensur schienen und doch passiert wurden. Vielleicht nehme ich mir, wenn mich Gott länger leben läßt, einmal Zeit, etwas zusammenzutragen, welches wegen verschiedener geheimer politischer Verhältnisse erst nach meinem Tod erscheinen und manches jetzt Rätselhafte aufklären könnte. Doch zu was solche Erinnerungen, die ohnedem nur einen verdrießlichen Hall nach sich ziehen. Morto mi, morto tutto il mondo. Mein Hausbau gehet fleißig fort; man ist schon am oberen Stock, den ich in einem Monat unter Dach zu bringen hoffe. Ich melioriere hier vieles, aber es bleibt meinem Sohn noch genug übrig, wenn er über 4000 Joch Ackerfelder wird kultivieren wollen, und die er kaum mit 34.000 Roboten, so ich jährlich zu benutzen habe, bearbeiten wird können. Auf seine Vorstellung ist noch nichts resolviert. Wenn nichts erfolgt, so werde künftiges Jahr es ihm freisteilen herzukommen, wann hier alles eingerichtet sein wird. In Anfang Juni gehe ich nach Pest und dann auf Preß- burg. In Baja habe ich mir einen Garten nebst drei Wohnzimmern, Küchel und Kammer für 1600 fl. gekauft, um allda ein Absteigquartier für mich und Beamte herzustellen. Im Herbst lasse ich einen neuen Weingarten von beiläufig 10 Joch anlegen. Ich embrassiere Dich, liebster Bruder etc. und bin Dein aufrichtiger Bruder Paul Kray.