Mitteilungen des k.u.k. Kriegs-Archivs 6. (Dritte Folge, 1909)
Briefe des Feldzeugmeisters Paul Freiherrn Kray de Krajova et Topolya an seinen Bruder Alexander von Kray. Mitgeteilt und zu einer Lebensschilderung erweitert von Hauptmann Dr. Just - V. Abschnitt. Letzte Lebensjahre
Briefe des FZM. Paul Freiherrn Kray de Krajova. 281 einige verkaufen und ein Teil auf das Gut schicken und zur Wirtschaft applizieren werde. Wenn Du zu reisen im stände wärest, so befolge es auf meine Unkosten und nimm Dir einen Chirurgen mit, der unterwegs für Dich sorgen könne. Vielleicht können die Pester medicináé Professores durch ein Konsilium Deine Umstände bessern. Ich erwarte Dich mit wahrem Herzensvergnügen, era- brassiere Dich etc. und bin Dein aufrichtiger Bruder Paul Kray. * % * In Begleitung seines Neffen Johann Kray unternahm nun Alexander die Heise nach Pest. Die Aussprache mit dem Bruder erleichterte das Herz des Feldzeugmeisters; vor ihm, dem er sich völlig erschloß, enthüllte er die Wirrnisse, die seiner Kommandoführung zum Nachteile gereicht hatten. Frohgemut ging er nun daran, sein ferneres Leben der Familie zu widmen. Baja, den 5. November 1800. Aus Deinem Schreiben vom 18. Oktober habe ich mit Vergnügen Deine glückliche Nachhausekunft und die gebesserten Umstände Deiner Gemahlin ersehen, welches mich ungemein erfreut hat. Ich habe das Gut Topolya ganz nach meinem Geschmack angetroffen. Das Wohnhaus habe ich dem Hofrichter überlassen und nach Abgang meines Sohnes nach Preßburg mich die letzten Tage des Oktobers beim Pfarrer, so ein Exjesuit und ein trefflicher Mann ist, mit zwei Zimmern begnügt. Alles dieses hat mich bewogen, gleich ein hübsches Landhaus von 12 Zimmern, ein Stock hoch, wovon 6 unten und 6 oben sind, hierunter ein Saal von 5 Klaftern Länge, zu bauen und bin damit auch so schnell vorgerückt, daß bis gestern die Mauern schon über eine Klafter über dem Fundament sind. Zu Ende April muß der Zimmermeister schon den Stuhl aufsetzen, damit im Frühjahr alles schnell fortgehen könne. Alles dieses gefällt dem Franzei und nimmt ihm noch mehr die Lust zum Dienen. Sollte ich mich überzeugen, daß er Ernst zur Ökonomie hat und mir in Verbesserungen wirksam an die Hand geht, so will ich selbst sorgen, daß er den