Mitteilungen des k.u.k. Kriegs-Archivs 6. (Dritte Folge, 1909)

Briefe des Feldzeugmeisters Paul Freiherrn Kray de Krajova et Topolya an seinen Bruder Alexander von Kray. Mitgeteilt und zu einer Lebensschilderung erweitert von Hauptmann Dr. Just - IV. Abschnitt. Krays Teilnahme am 2. Koalitionskrieg 1799-1801

Briefe des FZM. Paul Freiherrn Kray de Krajova. 275 Spärlich nur waren die Berichte des Feldzeugmeisters an seinen Bruder während des Feldzuges geflossen. Sie ver­mögen kein Bild seiner Feldherrntätigkeit zu geben, noch weniger aber die Gründe seines Mißerfolges aufzuhellen. Nur eine eingehende, aktenmäßige Darstellung wäre hiezu geeignet, die an dieser Stelle zu bringen aus dem Rahmen des Brief­wechsels fiele. Kray selbst verschmähte es, seine "Widersacher, welche die „gefallene Größe” noch tiefer herabzusetzen bemüht waren, zum Schweigen zu bringen. "Wohl hatte der Feldzeug­meister in späteren Tagen einen Rechtfertigungsentwurf verfaßt, derselbe blieb aber unveröffentlicht. Wenn er nunmehr zum Abdruck gelangt, so vermag er mehr als seinerzeit den Beweis zu erbringen, daß weder „ira” noch „Studium” ihn diktierten, und wird die Wolke vertreiben, die den Glanz einer 48jährigen ruhmvollen Laufbahn bisher völlig verhüllte '). *) „Wenn man die Hauptumstände dieses Feldzuges in Deutsch­land und hiebei unerwartet eingetretene Ereignisse, welche besonders durch das gänzliche Ausbleiben der vermöge Operationsplan verheißenen Verstärkung aus Italien, durch die verzögerte Organisierung und da­durch nicht genug zeitige Eintreffung der kurbayrischen, württem- bergischen und neu in Errichtung gewesenen braunschweig-englischen Subsidientruppen entstanden sind; ferners die erst im Entstehen be­griffene geringe Zahl der Landesbewaffnung und endlich einige von untergeordneten, detachierten Generalen erlittenen, bedeutenden Unfälle mit unparteiisch militärischem Blick und Gefühl überdenkt, so ist es ganz einleuchtend und begreiflich, warum der im italienischen Feldzug (und auch vordem in verschiedenen vorhergegangenen Feldzügen des Franzosen- und auch letzten Türkenkrieges) unbefangene Krieger nicht auch mit ähnlich glücklichem Fortgang gegen die allgemein bekannt gewesene feindliche Übermacht und General Moreau, einem der ersten Feldherren Frankreichs, welchem doch General Kray in Italien ent­scheidende Vorteile abgerungen hatte, nicht auch in Deutschland etwas wichtiges auszuführen vermochte. Ebenso verdienen noch folgende Gründe erwähnt zu werden, die dieses feindlichen Heerführers Unternehmungen sehr begünstigten, nämlich: Selber hatte durch vorhergegangene Feldzüge am Oberrhein die allergenaueste Lokalkenntnis dieses Landes. Hiernebst zog er die über­wiegendsten Vorteile aus der damaligen Revolutionsbegeisterung, die ihm viele Anhänger und Vertraute verschaffte, wodurch er alle seine Unternehmungen in richtigsten Gang zu setzen vermochte. Endlich zog er alle Bedürfnisse für seine Armee ohne jeden schweren Fuhrwesenstroß und ohne Schonung des Landes unentgeltlich an sich, wodurch alle seine 18*

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