Mitteilungen des k.u.k. Kriegs-Archivs 6. (Dritte Folge, 1909)

Briefe des Feldzeugmeisters Paul Freiherrn Kray de Krajova et Topolya an seinen Bruder Alexander von Kray. Mitgeteilt und zu einer Lebensschilderung erweitert von Hauptmann Dr. Just - IV. Abschnitt. Krays Teilnahme am 2. Koalitionskrieg 1799-1801

Briefe des FZM. Paul Freiherrn Kray de Krajova. 269 Vor fünf Tagen haben mir Se. Majestät das auf 186.0G0 fl. geschätzte und im Bácser Komitat gelegene Dorf Topolya erga donationem mixtam mit Nachlass von 100.000 fl. kon­feriert. Das Superplus soll ich in 3jährigen Raten erlegen, deren Termin und Zahl mir noch nicht bekannt ist. Ich habe zur Besorgung der Zahlung, Übernahme des Gutes sowie der ersten Einrichtung den Grafen Karl von Keglevich, unseren gewesenen Oberstleutnant, der eben hier und mein wahrer guter Freund ist, zu meinem Plenipotentiarium gewählt, der wegen Zahlung und Aufkündigung der Kapitalien alles nötige besorgen wird. Der Schwester Mazur gib auf meine Rechnung 100 fl., der Wittib Kray 50 fl. und weitere 50 fl. verteile unter 25 Hausarme in der Stadt, damit sie sich meiner erinnern möchten. Ich embrassiere Dich herzlich und bin Dein aufrichtiger Bruder Paul Kray. Donaueschingen, den 8. April 1800. Ich habe die Reise zu meiner neuen Bestimmung gleich angetreten und bin den 18. März hier eingetroffen, wo ich vom Erzherzog Karl das Kommando übernommen habe. Lieber Bruder, dieses Allerhöchste Zutrauen vermehrt meinen Kummer und Sorgen, weil ich bis nun nicht genug Kräfte und Mittel hier vorgefunden, dem überlegenen Feind in dem Terrain von der Schweiz bis an den Unterrhein bis Mainz zu widerstehen, der sich zwar noch jenseits des Rheins ruhig verhaltet, aber nächstens seine Operations anfangen dürfte. Ein Glück für mich ist, daß ich seither Zeit gewonnen habe, alle meine Vorposten und Situations zu bereisen, zugleich die langweiligen Reichskontingents zu sammeln und das aus 30.000 Mann starke hiesige Landesaufgebot zu organisieren, wodurch ich einige Aushilfe erhalte. Ich werde also eintreten­den Falles machen, was ich kann, um mich mit Bonaparte, der in Person die Armee kommandieren will, aber bis dato noch in Paris sein soll, zu messen. Vielleicht gibt mir Gott das vorige Glück, um meine hart erworbene Reputation zu erhalten.

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