Mitteilungen des k.u.k. Kriegs-Archivs 5. (Dritte Folge, 1907)
Hauptmann Paldus: Johann Christoph Müller. Ein Beitrag zur Geschichte vaterländischer Kartographie
90 Paldus. Ein Gradnetz fehlt. Dagegen ist die Karte von einem quadratischen Meilennetz umgeben (jede Meile in 8 Teile geteilt), welches zur Bestimmung der Ortslagen dient. In der Merkatorausgabe des Hondius 1623 erscheint sie das erste Mal, auch in den Blaeuschen Atlanten und bei anderen Verlegern kommt sie vor.1) Ägidius S a d e 1 e r* 2 3 * * * *) benützte die Aretinsche Karte zur Anfertigung einer neuen Zeichnung der Landkarte von Böhmen, die er in Kupfer stach und welche Jansson herausgab. Im Atlas Gerardi Mercatoris et J. Hondii, Amsterdam, J. Jansson und Henricus Hondius 1633 8) erscheint sie als Blatt Kr. 313 unter dem Titel: „Bohemia in suas partes geographicé distincta. Petrus K a e r i u s Oaelavit. Egidius Sadeler deline: Joannes Janssonius excu: Anno 1630.” (1:765.000.) Scala milliarum continens Magna, comunia et parva. Gradeinteilung: 29° 30' bis 34° 28' östl. Länge und 48° 16' bis 50° 56' nördl. Breite. Notarum explicatio: Civitas Regia libera, Oppidum Regis Bohemiae, Oppida Baronum et Nobilium, Pagus, Arx, Casteilum, Monasterium, Oppidum cum Arce, Pagus cum Arce, Eodine (Auri, Argenti, Stanni, *) Der Titel und die Beschreibung der Karte wurde entnommen den „Materialien z. alten u. neuen Statistik von Böhmen des k. Guber- nialraths von Riegger”, 3. H., 615. Die Karte Are tins 1632 erscheint reproduziert in : Schneider, „Über die Entwicklung des Kartenhildes von Böhmen”, mit Beschreibung. S. 347—351. 2) Sadeler Egidius (Ägidius), geboren zu Antwerpen 1570, Maler und Kupferstecher, hielt sich einige Zeit in Frankfurt a. M. und München auf, ging dann nach Italien, erregte die Aufmerksamkeit Kaiser Rudolfs II., der ihn nach Prag berief. Später trat er in die Dienste des Kaisers Matthias und Ferdinand II. und starb 1629 zu Prag. Die von ihm (1605 ?) gezeichnete und gestochene Karte von Böhmen erregte großes Aufsehen. (Nagler, Künstler-Lex., 14. Bd.) 3) Auch Matth. M e r i a n bringt die Karte Aretins in seiner „Topographia Bohemiae, Moraviae, et Silesiae, das ist Beschreibung und eigentliche Abbildung der Vornehmsten und bekandtisten Stätte und Plätze in dem Königreich Böheim und einverleibten Ländern Mähren und Schlesien. An Tag gegeben und verlegt durch Matthaeum Meri an zu Franckfurt 1650”. Die in dem Werke enthaltene Ansicht von Prag ist von „Wenceslaus Hollar, a Lewengrün et Bareyt, hanc Regni Bohemiae Metropolim Pátriám suam, ex Monte St. Laurentiy A° 1636 exactissime delineavit”.