Mitteilungen des k.u.k. Kriegs-Archivs 5. (Dritte Folge, 1907)
Hauptmann Paldus: Johann Christoph Müller. Ein Beitrag zur Geschichte vaterländischer Kartographie
88 Paldus. nicht auf Vermessungen beruht, nebst den Karten Münsters wahrscheinlich auch die Karte über das Fichtelgebirge von Kasp. Brusch.4) Sie enthält viele Mängel und Fehler. Inwieweit die zahlreichen Namensentstellungen auf Kosten der Nachstiche zu setzen sind, kann, nachdem das Original in Verlust geraten ist, nicht mehr konstatiert werden. Was die Unterscheidung der Siedelungen anbelangt, war die Karte Klaudians vollkommener. Crigingers Karte von Böhmen,* 2) welche einen Fortschritt im Vergleich zur Karte Klaudians bedeutet, wurde häufig abgedruckt;3 4) so in den zahlreichen Auflagen des Ortelius, ,,Theatrum Orbis”, in „Speculum orbis terrae von Ger. de Judaeis, Antverp. 1593”, in „Europae descriptio” von M. Quad, 1594, in der Kosmographie des Joh. Ravius, Frankf. a. M. 1597 und 1624 und in der Hondschen Ausgabe des Mercator 1605 etc.4) So zehrten eine Reihe von Blatt Nr. 57 vor. In der zugehörigen Beschreibung heißt es am Schlüsse: „Hane typicam delineationem sumpsimus ex tabula Joannis Crigin- geri, Pragae anno 1568 edita.” *) Ortelius führt sie an im „Catalogus Auctorum” des Theatr. Orbis: „Caspar Bruschius Egranus, Montis Piniferi (quem Fiechtel- berg vulgo nuncupant) Tabulam; Ulme apud Seb. Francum.” —• Caspar Bruschius (1518—1559) war geboren zu Schlackenwald (Schlaggenwald) in Böhmen. (Nordenskiöld, Facs.-Atlas, 126.) 2) Ausführliche Beschi-eibung gibt Schneider, Über die Entwicklung d. Kartenhildes v. Böhmen, 334—344. 3) Die Lafreri-Sammlung (Atlas) in Rom besitzt ein Exemplar der Karte von Böhmen unter dem Titel: „Bohemiae nova et exacta descriptio etc.” Bolognini Zalterij formis. Nordenskiöld, schreibt in seinem Facs.-Atlas, S. 119 : „The map is drawn in a manner deviating considerably from the style of drawing of other maps in Lafreris collection.” Auch die Hauslabsamml. des Fürsten Liechtenstein in Wien besitzt ein gleiches Exemplar dieser Karte, welche ein Criginger ist. 4) Riegger, Materialien, 1787, 1. H„ 63, 198. —- Eine kleine auf Silber gestochene und vergoldete Landkarte von Böhmen „Bohemia 1631”, welche als Grundlage die Karte Crigingers hat, befmdet sich in den Kunsthist. Sammlung, d. Allerhöchst. Kaiserhauses in Wien. (Mathematisch, u. geometr. Instrument von Hans Melchior Yolckh- maier, Cammer Goldschmid et Math. Geometr, 1642.) Außerdem enthält dieses Instrument noch die Landkarten von Österreich, Deutschland, Ungarn, Spanien, Portugal und Palästina.