Mitteilungen des k.u.k. Kriegs-Archivs 5. (Dritte Folge, 1907)
Major Ludwig Eberle: Die Mission des Obersten Steigentesch nach Königsberg im Jahre 1809
372 E b e r 1 e. Auf einige Vorstellungen des Obersten, welche den König umstimmen sollten, antwortete dieser mit Vorwürfen über Österreichs Verhalten nach Austerlitz und sagte: „Sie werden mir es also nicht übel nehmen, wenn ich nicht ganz auf die unerschütterliche Standhaftigkeit rechne; doch würde mich dies alles nicht abhalten, wenn ich Kraft genug hätte und hinlänglich vorbereitet wäre. Indessen, ich warte nur noch einen glücklichen und entscheidenden Schlag ab und dann, wenn ich mit meinen wenigen Mitteln vorerst auch auf weniger Hindernisse stoße und nicht beim ersten Schritte fürchten muß, unterzugehen, ohne Ihnen bedeutend nützen zu können, dann werde ich alle meine Kräfte der Einsicht des Erzherzogs Generalissimus übergeben, dem ich sie ganz vertraue, und vielleicht komme ich dann nicht allein, um der guten Sache beizustehen, um so willkommener würde ich dann Sr. Majestät dem Kaiser sein”. Damit war Steigentesch entlassen. Mit ähnlichen Worten wurde er von der Königin verabschiedet; Legationsrat Nagler ersuchte ihn, noch einige Tage zu verweilen, weil der Stand der Armee, den ihm der König mitgeben wolle, von Scharnhorst ausgefertigt werde und letzterer ihm hiezu einige Bemerkungen mitteilen würde. Steigentesch beschloß also auf die weitere Andeutung Naglers, daß sich am 14., dem Jahrestag von Marengo und Friedland, vielleicht noch etwas ereignen könnte, was einen Umschwung herbeizuführen im stände wäre, bis zum 23. Juni, bis zu welchem Tage eine Nachricht eintreffen konnte, in Königsberg zu verbleiben. Der Bericht vom 19. Juni enthält noch eine Unterredung mit Gneisenau, die Steigentesch wichtig genug schien, sie noch eiligst dem Grafen Stadion mitzuteilen. Die Prinzessin Wilhelm hatte sich entschuldigen lassen, den Obersten nicht empfangen zu haben, weil es ihr vom König verboten worden war, mit der Begründung, Rußland solle ihn dadurch kennen lernen, wie treu er seinen Verpflichtungen nachkomme und daß er auch nicht den Schein einer anderen Verabredung ohne diese Macht haben wolle. Steigentesch findet hierin allein den Schlüssel zum Betragen des Königs. Er schließt seinen Bericht in der Uber-