Mitteilungen des k.u.k. Kriegs-Archivs 5. (Dritte Folge, 1907)

Major Ludwig Eberle: Die Mission des Obersten Steigentesch nach Königsberg im Jahre 1809

366 E b e r 1 e. Das Ergebnis dieser Audienz, der alsbald eine Unter­redung mit dem Großkanzler Beyme und dem Geheimen Legationsrat Nagler folgte, schildert Steigentesch in seinem Bericht an Stadion vom 16. Juni1). Der Empfang war keineswegs ermutigend. Der König öffnete nur den Brief des Prinzen von Oranien und bemerkte ganz kurz: „Das ist auch einer von den passio­nierten Herren, die zwar eine sehr lobenswerte Passion für die gute Sache haben, aber das ganze Land wimmelt von solchen Passionen, die es zu Grunde gerichtet haben, und es ist meine Pflicht, ihnen Buhe und Kälte entgegen zu setzen; doch ich würde vielleicht ebenso denken wie sie, wenn ich nicht höhere Pflichten hätte. Welche Aufträge haben Sie eigentlich?” Auf den Hinweis, daß das Schreiben des Kaisers die Gründe der Sendung enthalte, antwortete der König rasch und bitter: ,,Ich weiß schon, es soll vermutlich sein, damit ich die Ehre habe, zugleich mit Österreich zu Grunde zu gehen ? Besonders jetzt, da Bußland seine Partie genommen zu haben scheint, von dem doch noch die einzige mögliche Hilfe zu erwarten war.” Steigentesch setzte nunmehr dem König auseinander, daß er nicht gekommen sei, Preußens Hilfe zu erbitten, da Österreich die Kraft, Napoleon allein zu widerstehen, in den Tagen vom 21. und 22. Mai bewiesen habe, sondern nur um auf die günstige Gelegenheit aufmerksam zu machen, jetzt die französische Herrschaft im Norden zu brechen, worauf der König die völlige Erschöpfung Preußens hervor­hob und seine Mithilfe „dereinst” in Aussicht stellte. Auf die Bitte des Obersten, dieses „dereinst” näher zu umschreiben, versprach Friedrich Wilhelm, den Brief des Kaisers baldigst zu beantworten. Nach einigen Bemerkungen über die Schlacht bei Aspern und die Operationen der Öster­reicher in Polen, welche der König tadelte, wurde Steigen­tesch entlassen, wobei ihm der König sagte, er hoffe ihn noch öfter zu sehen. ?) Haus-, Hof- und Staatsarchiv, abgedruckt bei Stern, Abhand­lungen und Aktenstücke, 70. Eine fast wortgetreue Kopie dieses sowie der folgenden Berichte sandte Steigentesch an den Generalissimus. (K. A., Militärfeldakten a 1809, VI, 4.)

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