Mitteilungen des k.u.k. Kriegs-Archivs 5. (Dritte Folge, 1907)

Major Ludwig Eberle: Die Mission des Obersten Steigentesch nach Königsberg im Jahre 1809

Die Mission Steigentesch. 1809. 353 „Pulver betrifft, so hat sich der Prinz schon von selbst „infolge dessen, was ich ihm darüber gesagt habe, be- „schieden, daß man sich keine augenblickliche Aushilfe von „dem Wiener Hofe versprechen könne; auch hat sich der „König schon deshalb an England gewendet. Baron „Steigentesch würde aber, so wie auch ich es getan, „geltend zu machen haben, daß wir gegenwärtig dem „preußischen Hofe die ausgiebigste Hilfe gewähren und „ihm für den Anfang seiner Operationen ganz gewisse „Vorteile dadurch versichern, daß für jetzo die ganze fran­zösische Kriegsmacht und jene der französischen Alliierten „im Zentro unserer Monarchie beschäftigt ist, daß alle „Verstärkungen gegen uns geleitet werden, und folglich „diejenigen Punkte, welche als der Schauplatz der Haupt- „aktivität Preußens bestimmt sind, fürs erste gar keinen „oder doch sehr geringen Widerstand leisten können. „Nachdem diese Voraussetzungen in Richtigkeit gebracht „sind, wird es auf die in dem mir von Eurer Kaiserlichen „Hoheit gnädigst mitgeteilten Entwurf vorgeschlagene „Richtung der preußischen Operationen ankommen. „Hier muß ich fürs erste bemerken, daß es wohl not­wendig sein würde, einige Alternativen zu setzen und über „dieselben dem Baron Steigentesch einige Latitude zu „geben, damit im Palle der Königsberger Hof sich dem „einen oder anderen Vorschlag nicht beifällig zeigen sollte, „durch Hin- und Herschreiben keine Zeit verloren gehe. „Einer soeben mit V alentini gehabten Unterredung „zufolge würde wohl der erste und der zweite Punkt der „vorgeschlagenen Operationen gern angenommen werden. ,,0'b dem zur Verstärkung unserer Hauptarmee angetragenen „Korps nicht vorzüglich die Richtung gegen die obere „Donau von der Oberpfalz oder dem Bajreutschen aus „gegeben werden könnte, muß ich Eurer Kaiserlichen „Hoheit weisem Ermessen anheimstellen1). *) *) Hiebei steht im Original folgende, wahrscheinlich der Hand Wimpffens entstammende Bleistiftbemerkung: „Der nächste Weg zu diesen Operationen ist vorerst die Vereinigung dieses Korps mit der österreichischen Armee; die Umstände werden dann zeigen, ob und was nach Bayreut oder die Oberpfalz zu detachieren sei.” Mitteilungen des k. und k. Kriegsarchivs. Dritte Folge. V. Bd. 23

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